Ausgabe 374

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 374, Entwurf                                  5. Oktober 1998, Cambridge, MA
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Redaktioneller Hinweis
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Das Satellitenregister http://hea-www.harvard.edu/~jcm/space/log/satcat.txt* 
wurde aktualisiert und ein gänzlich neuer Katalog angelegt - eine Tabelle aller 
Starts in die Umlaufbahn mit allen verfügbaren Startzeitpunkten, Seriennummern 
von Trägerraketen, Startrampen usw. Die Adresse ist 
http://hea-www.harvard.edu/~jcm/space/log/launch.html*
Enthalten ist die Textdatei launchlog.txt mit 1 MB und über 180 Zeichen Spalten-
breite. Liebhaber derartiger Datensätze werden gebeten, etwaige Korrekturen zu 
melden.

Weltraumstartgelände
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Als Nebenprodukt beim Anlegen des Startkatalogs fiel eine redigierte Auflistung 
der Abschussanlagen für orbitale Weltraumstarts an.

Ich entschuldige mich für die gemischten Längen- und Breitenangaben in Grad und 
Minuten bzw. in dezimalen Bogengraden. Die Abkürzungen links sind meine eigenen. 
Vorsicht bei Baikonur und Plessezk - deren Bezeichnungen haben sich über die 
Jahre geändert. San Marco ist aufgrund ihrer ursprünglichen Konstruktion als 
mobile maritime Startplattform gezählt, auch wenn sie nie tatsächlich bewegt 
wurde.

--- Redigierte Liste der Startplätze ---

CC       Cape Canaveral, Florida                              28 27N 80 32W
KSC      Kennedy Space Center, Florida                        28 27N 80 32W
SPFL     Spaceport Florida, Cape Canaveral, Florida           28 28N 80 32W
PA       Point Arguello, Kalifornien (später Vandenberg)      34 37N 120 35W
V        Vandenberg AFB, Kalifornien                          34 38N 120 32W
WI       Insel Wallops, Virginia                              37 50N 75 29W

NIIP-5   5NIIP, Baikonur, Kasachstan                          45 38N 63 16E
GIK-5    5GIK, Kosmodrom Baikonur, Kasachstan                 45 38N 63 16E
NIIP-53  Plessezk, Archangelsk, Russland                      65 42N 40 21E
GIK-1    Plessezk, Archangelsk, Russland                      65 42N 40 21E
GNIIP    Plessezk (strategische Raketentruppen), Russland     65 42N 40 21E
GTsP-4   Kapustin Jar, Astrachan, Russland                    48 31N 45 48E
GIK-2    Swobodny-18, Amurskaja, Russland                     51.7N 128.0E

ALCA     Alcantara, Maranhao, Brasilien                       02 17S  44 23W
CSG      Centre Spatial Guyanais, Kourou, Guiane [sic!]       05 12N  52 44W
HMG      Hammaguir, Algerien                                  30 54N  03 05W
JQ       Jiuquan, Nei Monggol Zizhiqu, Zhong Guo (China)      41,1N  100,3E
KASC     Kagoshima, Kyushu, Nihon (Japan)                     31 15N 131 04E
MUSU     Musudan, Hamgyong Namdo, Choson (Nordkorea)          40,5N  129,5E
PALB     Palmachim AFB, Israel                                31,9N   34,7E
SHAR     Sriharikota, Andhra Pradesh, Indien                  13,8N   80,3E
TNSC     Tanegashima, Osumi-Shoto, Nihon (Japan)              30,4N  131,0E
TYSC     Taiyuan, Shanxi, Zhong Guo (China)                   37,8N  111,5E
WOO      Woomera, Südaustralien                               31 06S 136 48E
XSC      Xichang, Sichuan, Zhong Guo (China)                  28,1N  102,3E

--- Flugfelder für luftgestartete Raketen ---

EAFB     Edwards AFB, Kalifornien                             34,5N  117,5W
GAN      Gando AFB, Gran Canaria                              27,6N   15,2W
NOTS     Naval Ordnance Test Station, China Lake, Kalifornien 35,4N  117,4W
V        Vandenberg AFB, Kalifornien                          34 38N 120 32W
WI       Insel Wallops, Virginia                              37 50N  75 29W
KSC      Kennedy Space Center, Florida                        28 27N  80 32W

--- Mobile Startanlagen (in der Luft, auf See) für Trägerraketen ---

BLA      Startgebiet Barentssee, Murmansk, Russland           35,3E   69,3N
DZGC     Abwurfzone, Gran Canaria                             27,0N   15,3W
DZSB     Abwurfzone, Point Mugu Santa Barbara Kanal           34,0N  120,0W
DZWI     Abwurfzone, Insel Wallops                            37,0N   72,0W
MFWA     Abwurfzone, Mayport, Florida, Warngebiet             29N?    79W?
PAWA     Abwurfzone, Warngebiet Point Arguello                36,0N  123,0W
SMLC     Startkomplex San Marco, Indischer Ozean, Kenia       02 56S  40 13E

Shuttle und Mir
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Die nächste Raumtransportermission ist STS-95 mit der Raumfähre OV-103 
Discovery.

Errata
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Der Orbcomm-Start am 23. September erfolgte um 0506 UTC und nicht wie in der 
letztwöchigen Ausgabe behauptet um 1706 UTC.

PAS 3R befindet sich über dem Atlantik bei 44° W und nicht über dem Indischen 
Ozean. Es handelt sich um eine Verwechslung mit Measat 1, der gleichzeitig ge-
startet worden war.

Kürzliche Starts
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* Kosmos 2361?

Am 28. September wurde eine als Kosmos-Satellit bezeichnete Nutzlast des russi-
schen Verteidigungsministeriums gestartet. Es wäre somit Kosmos 2361. Die mit 
der Trägerrakete 8K78M gestarteten Kosmos-Satelliten sind normalerweise von 
Lawotschkin gefertigte Frühwarnsatelliten der Oko-Klasse. Allerdings werden 
diese mit einem Argument des Perigäums von rund 312 Grad gestartet, doch bei 
diesem waren es 280 Grad, einem charakteristischen Wert von Fernmeldesatelliten 
der Type Molnija. Im OIG-Bulletin der NASA ist der Satelliten als Molnija-1 
verzeichnet. Möglicherweise handelt es sich bei dem Satelliten um einen 
Molnija-1, der versagt hat, oder aber die TASS hat den Namen verwechselt.

Die Trägerrakete 8K78M (Molnija-M) platzierte Kosmos 2361 und die vierte Stufe 
Blok-L von Plessezk aus auf einer niedrigen Parkbahn von 208 x 384 km. Die 
Blok-L beförderte sodann die Nutzlast auf eine elliptische 12-Stunden-Bahn von 
419 x 40708 km x 62,8°.

* Orbital Sciences startet STEX

Eine ARPA Taurus von Orbital Sciences platzierte am 3. Oktober den Satelliten 
STEX (Space Technology EXperiments) auf einer Umlaufbahn. Der Satellit STEX 
wurde von Lockheed Martin Astronautics in Denver für den US-Nachrichtendienst 
gebaut. Die Hauptexperimente von STEX wurden vom Forschungslabor der US-Marine 
beigesteuert. Dazu zählen ein von russischer Technik abgeleiteter elektrischer 
Hall-Effect-Antrieb und ein Tether-Experiment mit 6 Kilometer Kabel, das eine 
Weiterentwicklung des vorhergegangenen Satelliten TIPS ist. STEX ist außerdem 
mit experimentellen Solarflügeln und Batterien ausgestattet. STEX erreichte eine 
Bahn von 665 km mit einer Neigung von 85 Grad. Er erhielt die zusätzliche 
Bezeichnung USA 140.

Das Tether-Experiment ATEX besteht aus zwei Endmassen, die mit einer 6 km langen 
Leine aus Polyethylen verbunden sind. Die obere Endmasse wird ausgefahren, wäh-
rend die unterere Endmasse für eine Abfolge von Experimenten zur Dynamik mit 
STEX verbunden bleibt. Später wird die unterere Endmasse abgetrennt, sodass STEX 
und ATEX zwei unabhängige Satelliten sein werden.

Die Rakete ARPA-Taurus setzt den Feststoffmotor TU-904 als ihre Erststufe ein. 
Es ist dies die erste Stufe der Peacekeeper ICBM. Die normale Taurus hat eine 
kommerzielle Variante dieser Stufe, die Castor 120. In der zweiten und dritten 
Stufe werden Varianten des Feststoffmotors Orion 50 von Alliant verwendet, so 
wie bei der ersten und zweiten Stufe der geflügelten Pegasus von Orbital. Die 
vierte Stufe ist eine Orion 38 und entspricht der dritten Stufe der Pegasus. 
Dies war der dritte Start einer Taurus, der wie die anderen vom Startkomplex 
576-Ost der Luftwaffenbasis Vandenberg erfolgte.

  Starts der Taurus:

  1  ARPA Taurus  13. März 1994  STEP M0
  2  Taurus       10. Feb. 1998  GFO/Orbcomm
  3  ARPA Taurus   3. Okt. 1998  STEX/ATEX

* Ariane startet Eutelsat W2 und Sirius 3

Am 5. Oktober startete die Ariane-Mission V111 mit zwei europäischen Fernmelde-
satelliten. V111 setzte eine Ariane-44LP [sic!] mit zwei flüssigen und zwei 
festen Starthilfsraketen ein. 

Eutelsat W2 ist ein Alcatel Spacebus 3000B2 mit 32 Ku-Band-Transpondern. Er wird 
bei 16° Ost stationiert werden und Eutelsat II F2 ersetzen. Eigner ist die 
European Telecommunications Satellite Organization (Eutelsat). Der Start von W2 
war ursprünglich mit einer Ariane 5 vorgesehen, aber nach dem Verlust von W1 bei 
einem Unfall am Boden wollte Eutelsat das Risiko eines Testfluges mit W2 vermei-
den.

Sirius 3 ist ein kleiner Fernmeldesatellit des schwedischen Konsortiums 
"Nordiska Satellite" NSAB. NSAB sind noch nicht bereit, Sirius 3 zu betreiben, 
sodass sie ihn für ein Jahr an den Hauptrivalen Eutelsats, SES-Astra, ver-
mieteten. Er wird für die Dienste Astras bei 28° Ost stationiert und dann für 
den Betrieb durch Schweden nach 5° Ost verschoben werden. Der Satellit des Typs 
Hughes HS-376HP verfügt über 15 Ku-Band-Transponder. Er ist mit einem Feststoff-
Apogäumsmotor Thiokol Star 30 versehen.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete  Startgelände      Aufgabe   I.D.

 8 Sep 2113   Iridium SV77)     Delta 7920    Vandenberg SLC2   Komsat     51E
              Iridium SV79)                                     Komsat     51D
              Iridium SV80)                                     Komsat     51C
              Iridium SV81)                                     Komsat     51B
              Iridium SV82)                                     Komsat     51A
 9 Sep 2029   Globalstar FM5 )  Zenit-2       Baikonur          Komsat     F05
              Globalstar FM7 )                                  Komsat     F05
              Globalstar FM9 )                                  Komsat     F05
              Globalstar FM10)                                  Komsat     F05
              Globalstar FM11)                                  Komsat     F05
              Globalstar FM12)                                  Komsat     F05
              Globalstar FM13)                                  Komsat     F05
              Globalstar FM16)                                  Komsat     F05
              Globalstar FM17)                                  Komsat     F05
              Globalstar FM18)                                  Komsat     F05
              Globalstar FM20)                                  Komsat     F05
              Globalstar FM21)                                  Komsat     F05
16 Sep 0631   PAS 7             Ariane 44LP   Kourou            Komsat     52A
23 Sep 0506   Orbcomm FM21 )    Pegasus XL/HAPS Wallops I.      Komsat     53A
              Orbcomm FM22 )                                    Komsat     53B
              Orbcomm FM23 )                                    Komsat     53C
              Orbcomm FM24 )                                    Komsat     53D
              Orbcomm FM25 )                                    Komsat     53E
              Orbcomm FM26 )                                    Komsat     53F
              Orbcomm FM27 )                                    Komsat     53G
              Orbcomm FM28 )                                    Komsat     53H
28 Sep 2341   Molnija-1T?       Molnija-M      Plessezk         Frühwarn.  54A
 3 Okt 1004   STEX   )          ARPA Taurus    Vandenberg 576E  Technol.   55A
              ATEX   )
 5 Okt 2251   Eutelsat W2 )     Ariane 44LP    Kourou ELA2      Komsat     56A
              Sirius 3    )                                     Komsat     56B

Gegenwärtiger Status der Raumfähren
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Orbiter                Standort      Mission    Startdatum

OV-102 Columbia        OPF Bucht 3   STS-93         Jan.?
OV-103 Discovery       LC39B         STS-95     29. Okt.
OV-104 Atlantis        OPF Bucht 2   STS-96     13. Mai
OV-105 Endeavour       OPF Bucht 1   STS-88      3. Dez.

MLP2/RSRM-68/ET-98/OV-103      LC39B     STS-95

.-------------------------------------------------------------------------.
|  Jonathan McDowell                 |  phone : (617) 495-7176            |
|  Harvard-Smithsonian Center for    |                                    |
|   Astrophysics                     |                                    |
|  60 Garden St, MS6                 |                                    |
|  Cambridge MA 02138                |  inter : jcm@cfa.harvard.edu       |
|  USA                               |          jmcdowell@cfa.harvard.edu |
|                                                                         |
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*) [Anm. d. Übers.: Webadresse ab Aug. 2003 www.planet4589.org/space/]