Ausgabe 395

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 395                                            21. April 1999, Cambridge, MA
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Bemannte Raumfahrt
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Auf der Orbitalstation Mir unternahmen am 16. April Wiktor Afanassjew und Jean-
Pierre Haigneré einen 6 h 19 m dauernden Außenbordeinsatz, während dessen 
Haigneré den Amateurfunksatelliten Sputnik-99 eigenhändig aussetzte. Der Sa-
tellit war im April mit Progress M-41 angeliefert worden. Anscheinend ist die 
Ersatzeinheit, Sputnik-40, noch auf der Station gelagert. Der Raumausstieg be-
gann um 0437 UTC (0837 Moskauer Ortszeit) und um 1056 UTC wurde die Luke wieder 
geschlossen. Das Absetzen des Satelliten erfolgte vermutlich gegen 1030 UTC, 
sollte aber jemand den genauen Zeitpunkt kennen, dann bitte ich um Rückmeldung.

Sputnik-99 steht im Mittelpunkt einer Kontroverse über die Verwendung des Ama-
teurfunkbandes. Der Satellit wurde von den französischen und russischen Amateur-
funksatellitengruppen AMSAT-F und AMSAT-R mithilfe des Raumflug-Kontrollzentrums 
TsUP der russischen Weltraumagentur entwickelt. Scheinbar machte TsUP den Feh-
ler, das Senden von Botschaften, einschließlich eines geschützten Werbeslogans, 
mit einer kommerziellen Firma zu arrangieren, was einen eklatanten Missbrauch 
des Amateurfunkbandes darstellt. Um eine Verletzung der Bestimmungen der IFU zu 
vermeiden, wurde im letzten Moment entschieden, den Satelliten zu starten, aber 
ohne ihn einzuschalten, womit jedoch die ursprüngliche Amateurfunkmission ver-
loren ging. 

Space Command gab dem Satelliten die Bezeichnung 1999-21A, was eine erhebliche 
Änderung in der Praxis der Vergabe von internationalen Kennungen ist (was genau-
genommen in die Zuständigkeit des Komitees der Weltraumforschung ICSU fällt). 
Normalerweise würde die "21" für den 21. Start von der Erdoberfläche im Jahre 
1999 stehen. Sputnik-99 (von Space Command Sputnik Jr. 3 genannt, ein Name, den 
sie scheinbar selbst erfunden haben) wurde mit Progress M-41 zur Mir gebracht. 
Nach dem üblichen Schema würde der Satellit die Registrierung 1999-15C (das 3. 
zum Start von Progress M-41 gehörende Objekt) oder 1986-17NG (als ein weiteres 
Objekt der Mir) erhalten. Andere während des gleichen Außeneinsatzes freige-
setzte Objekte erhielten die Kennungen 1986-17MZ und 1986-17NF. Es wäre freilich 
durchaus in Ordnung, wenn COSPAR die Richtlinien dahin gehend ändert, dass Ob-
jekte, die von der Raumstation abgesetzt werden, als neuer Start zählen. Space 
Command dürfte die formale internationale Ermächtigung für solch eine eigenstän-
dige Richtlinienänderung fehlen, wenngleich ich vermute, dass andere dieser 
neuen Praxis einfach folgen würden. Man darf gespannt sein, ob diese neue Regel 
in Zukunft konsistent angewendet werden wird. Es ist unklar, warum die Trümmer-
teile die Kennung 1986-17 bekamen, die Nutzlast jedoch 1999-21.

Discovery wurde am 16. April ins VAB verlegt. Columbia nahm ihre Parkposition in 
Bucht 1 des OPF ein. Es ist noch nicht bekannt, wie sich das Versagen der IUS 
(siehe unten) auf das Startdatum von STS-93 (mit dem Observatorium Chandra, das 
die IUS zum Erreichen einer hochelliptischen Bahn einsetzt) auswirken wird, aber 
wir drücken die Daumen und Hoffen auf eine schnelle Lösung.

Kürzliche Starts
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Am 9. April 1701 UTC wurde bei der Mission Titan 4B-27 erstmals seit dem letzten 
Fehlstart vergangenen August eine Lockheed Martin Titan 4 gestartet. Die Fest-
stoffmotoren der Type SRMU-8 und die beiden flüssig betriebenen Kernstufen 
(K-32) der Titan funktionierten gut und brachten die Nutzlast DSP F19 sowie ihre 
Oberstufe Boeing IUS-21 auf eine Parkbahn von 188 x 718 km x 28,6°. Die IUS ist 
ein zweistufiges System. Die erste Stufe SRM-1 zündete ihren Feststoffmotor UTC 
Orbus 21 um 1814 UTC und erhöhte das Apogäum auf die geostationäre Höhe und 
trennte sich ab. Die Stufe SRM-2 sollte daraufhin um 2334 UTC ihren Feststoff-
motor Orbus 6E zünden, um die Inklination zu senken und das Perigäum zu erhöhen 
und DSP auf eine kreisförmige geosynchrone Bahn zu bringen. Etwas ging jedoch 
schief: Weil die Bahnparameter geheim sind, ist nicht klar, ob SRM-2 gar nicht 
zündete, oder ob die Zündung unvollständig war, aber auf jeden Fall blieb DSP 
weit entfernt von einer geosynchronen Bahn und soll unkontrolliert taumeln. Es 
ist das erste ernsthafte Versagen der IUS seit der Mission im April 1983, bei 
der der Satellit TDRS 1 auf einer niedrigen Umlaufbahn geblieben war. Bei der 
Nutzlast der Titan handelt es sich um einen Frühwarnsatelliten des Defense 
Support Program von TRW mit einem Infrarotteleskop zur Erkennung von Raketen-
starts. 

Eutelsat-W3 wurde am 12. April mit einer Atlas von Canaveral gestartet. Der 
Satellit W3 des Baumusters Alcatel Spacebus 3000B2 gehört der European 
Telecommunications Satellite Organization. Die Trägerrakete Lockheed Martin 
Atlas IIAS erreichte neun Minuten nach dem Start eine Parkbahn von 153 x 385 km 
x 27,4°. Mit der zweiten Zündung der Centaur wurden die Satelliten auf eine 
Transferbahn von 166 x 46076 km x 19,7° befördert. Der mit 24 Ku-Band-Transpon-
dern versehene W3 wird bei 7° Ost stationiert werden und mit einem breiten Sen-
destrahl Europa, Nordafrika und Asien abdecken und die Türkei mit einem engen 
Richtstrahl für digitales Fernsehen bedienen.

Vier weitere Globalstar-Satelliten wurden am 15. April mit einer Sojus-U/Ikar 
von Baikonur gestartet. Der dritte Flug einer Sojus-U/Ikar folgte dem gleichen 
Profil wie der Vorhergegangene und beförderte die vier Raumfahrzeuge auf eine 
Parkbahn von 900 x 950 km x 52,0°. Die Bordantriebssysteme der Satelliten werden 
die jeweiligen Orbits auf die operationelle Bahnhöhe von 1410 km anheben. Die 
Stufe Blok-I erreichte eine Transferbahn von 234 x 900 km. Die Stufe 50KS Ikar 
manövrierte sich einen Tag später aus der Umlaufbahn. Die neuen Satelliten sind 
M19, M42, M44 und M45. Die von Alenia und Loral gebauten Globalstar-Satelliten 
sind im L-Band operierende Kommunikationssatelliten zur Satellitentelefonie. 
Nach zwei Starts der Delta und drei Einsätzen der Sojus-U/Ikar befinden sich 
jetzt 20 Satelliten Globalstars in der Umlaufbahn (12 weitere Satelliten gingen 
bei einem Fehlstart einer Zenit-2 verloren).

Der Fernerkundungssatellit Landsat-7 wurde am 15. April mit einer Delta von 
Vandenberg gestartet. NASAs neuer Fernerkundungssatellit wird bis Oktober 2000 
von NASA/Goddard betrieben werden. Danach wird die Kontrolle an die US Geolo-
gical Survey übergehen. Das einzige Instrument an Bord ist der Enhanced Thematic 
Mapper Plus (ETM+), ein scannendes Radiometer, das in sichtbaren und infraroten 
Bändern arbeitet. Die Auflösung in den sichtbaren Bändern beträgt 30 m und im 
monochromen sind es 15 m. Die Startmasse war 1969 kg. Das Raumfahrzeug wurde von 
Lockheed Martin in Valley Forge gefertigt und von der Konstruktion des Wetter-
satelliten Tiros-N/DMSP abgeleitet. Die Trägerrakete Boeing Delta 7920-10 
schwenkte auf eine anfängliche Umlaufbahn von 175 x 706 km x 98,2° ein, bevor 
die Bahn nach 57 Minuten auf 668 x 698 km zirkularisiert und Landsat 7 abgesetzt 
wurde. Nach dem Entleerungsbrand endete die Delta-Stufe auf einer Bahn von 184 x 
710 km x 107,5°.

Surreys Satellit UoSAT-12 wurde beim ersten Start der russischen Dnepr-Rakete in 
den Orbit befördert. Die Dnepr ist eine modifizierte ballistische Rakete des 
Typs R-36M2 (15A18M, NATO-Codename SS-18 Mod 4), die von Juschnoje (Piwdenne) in 
der Ukraine entwickelt und von MK Kosmotras vermarktet wird. Die R-36M2 ist eine 
zweistufige Trägerrakete. In beiden Stufen werden Stickstofftetroxid und UDMH 
(unsymmetrisches Dimethylhydrazin) verbrannt. Die Rakete hat 3,0 m Durchmesser. 
Normalerweise wird eine dritte Stufe hinzugefügt, vermutlich eine S5M wie bei 
der Zyklon-3, jedoch nicht bei dieser Testmission, bei der nicht die vollstän-
dige Konfiguration der Dnepr eingesetzt wurde. Die Dnepr wurde aus einem Silo 
(meine Quellen vermuten LC108) auf GIK-5, dem Weltraumbahnhof Baikonur, gestar-
tet und beförderte UoSAT-12 auf eine Umlaufbahn von 638 x 652 km x 64,6°. Die 
Endstufe scheint, eine Art Entleerungsbrand gemacht zu haben und wurde auf einer 
Bahn von 599 x 1403 km x 64,6° aufgespürt. Bei UoSAT-12 wird erstmals die neue 
Minibus-Plattform erprobt. Mit 325 kg ist das Raumfahrzeug größer als frühere 
UoSATs von Surrey, die 50 kg hatten. Er ist mit einem Mobilradioexperiment 
(MERLION), einen GPS-Empfänger und Fotokameras versehen.

Space Command hat auch den 2,5-kg-Nanosatelliten SNAP-1 des Nanosatelliten-An-
wendungsprogramms von Surrey zur Erprobung mikro-elektromechanischer Systeme, 
der mit UoSAT-12 gestartet werden sollte, katalogisiert. Stefan Barensky infor-
mierte mich jedoch darüber, dass nach seinen Informationen SNAP-1 nicht an Bord 
war und im späteren Verlauf des Jahres gestartet werden soll. Ich werde ver-
suchen, die Sache bis nächste Woche zu klären.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete   Startgelände     Aufgabe   I.D.

 5 Mrz 0256   WIRE              Pegasus XL     Vandenberg       Astronomie 11A
15 Mrz 0306   Globalstar M022 ) Sojus-U/Ikar   Baikonur LC1     Komsat     12A
              Globalstar M041 )                                 Komsat     12B
              Globalstar M046 )                                 Komsat     12C
              Globalstar M037 )                                 Komsat     12D
21 Mrz 0009   Asiasat 3S        Proton-K/DM3   Baikonur LC81L   Komsat     13A
28 Mrz 0130   DemoSat           Zenit-3SL      Odyssey, POR     Test       14A
 2 Apr 1128   Progress M-41     Sojus-U        Baikonur LC1     Fracht     15A
 2 Apr 2203   Insat 2E          Ariane 42P     Kourou ELA2      Komsat     16A
 9 Apr 1701   DSP F19           Titan 4/IUS    Canaveral LC41   Frühwarn.  17A
12 Apr 2250   Eutelsat W3       Atlas 2AS      Canaveral LC36A  Komsat     18A
15 Apr 0046   Globalstar M019 ) Sojus-U/Ikar   Baikonur LC1     Komsat     19A
              Globalstar M042 )                                            19B
              Globalstar M044 )                                            19C
              Globalstar M045 )                                            19D
15 Apr 1832   Landsat 7         Delta 7920-10  Vandenberg SLC2W Erdbeob.   20A
16 Apr 1030?  Sputnik-99        -              Mir, LEO         Komsat     21A?
21 Apr 0500   UoSAT-12          Dnepr          Baikonur LC108   Test       22A

Gegenwärtiger Status der Raumfähren
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Orbiter                Standort      Mission    Startdatum

OV-102 Columbia        VAB Bucht 2   STS-93     unbekannt
OV-103 Discovery       VAB Bucht 3   STS-96     20. Mai
OV-104 Atlantis        OPF Bucht 3   STS-101    14. Okt.?
OV-105 Endeavour       OPF Bucht 2   STS-99     18. Sep. 

MLP1/RSRM-69/ET-99             VAB Bucht 1  STS-93
MLP2/RSRM-70/ET-100/OV-103     VAB Bucht 3  STS-96
MLP3/

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|  Jonathan McDowell                 |  phone : (617) 495-7176            |
|  Harvard-Smithsonian Center for    |                                    |
|   Astrophysics                     |                                    |
|  60 Garden St, MS6                 |                                    |
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