Ausgabe 429

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 429                                              4. Juli 2000, Cambridge, MA
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Shuttle und Raumstationen
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Sojus TM-30 landete am 16. Juni 0044 UTC. Saljotin und Kaleri schlossen am 15. 
Juni 1817 UTC die Luke zur Mir und legten am 16. Juni 0124 [sic!] UT ab. Das 
Retromanöver erfolgte um 0352 [sic!] UTC. Wenige Minuten später und vor dem 
Wiedereintritt wurden die Orbital- und Servicemodule zu beiden Seiten der zen-
tral angeordneten Landekapsel abgeworfen. Die Landung erfolgte um 0044 UTC nahe 
Arkalyk in Kasachstan. Der Mir-Komplex ist jetzt im Automatikbetrieb.

Aktuelle Starts
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Ein Fernmeldesatellit der Reihe Express A wurde am 24. Juni gestartet. Die Trä-
gerrakete Chrunitschew Proton-K flog ein Standardaufstiegsprofil und platzierte 
die Oberstufe Energia Blok DM-2M auf einer niedrigen Parkbahn mit 51,6° Inklina-
tion. Zwei Bahnmanöver der Blok DM beförderten daraufhin Express A Nr. 3 auf 
eine geostationäre Umlaufbahn. Am 3. Juli befand er sich auf einer Driftbahn von 
35965 x 36081 km x 0,2°. Express A Nr. 3 wird nach Erreichen seiner endgültigen 
Position Express 3A genannt werden.

China startete am 25. Juni mit einer dreistufigen Trägerrakete Chang Zheng 3 
seinen zweiten Wettersatelliten der Baureihe Fengyun-2. Die dritte Stufe der 
CZ-3 und der Satellit FY-2 gelangten auf eine geostationäre Transferbahn. Die 
CZ-3 hob um 1150 UTC von Xichang ab. Die Drittstufe erreichte um 1201 UTC eine 
Parkbahn und trennte sich nach einer neuerlichen Zündung um 1213 UTC auf einer 
Transferbahn vom Raumfahrzeug ab. FY-2 hat rund 1400 kg und ist, ähnlich wie die 
älteren Satelliten der Baumuster GOES, Himawari und Meteosat, drallstabilisiert. 
Er ist mit einem feststoffbetriebenen Apogäumsmotor ausgestattet, der nach dem 
Ausbrennen abgestoßen wird. Dieser wurde anscheinend zu Beginn des 26. Juni 
gezündet. Der erste FY-2 war im April nach einer dreijährigen Mission außer 
Dienst gestellt worden. Am 3. Juli driftete der neue FY-2 auf einer Umlaufbahn 
von 35791 x 35804 km x 1,1° über dem Pazifik.

Ein Navigationssatellit der Reihe Nadjeschda mit zusätzlichen Such- und Ret-
tungsfunktionen wurde am 28. Juni von Plessezk gestartet. Er wurde auf einer 
Umlaufbahn von 684 x 708 km x 98,1° platziert. Es war der erste Start vom nörd-
lich gelegenen Plessezk auf eine sonnensynchrone Bahn. Die vorhergegangenen 
Nadjeschdas waren auf Umlaufbahnen von 970 x 1000 km x 83°. Die Rakete des Typs 
Kosmos-3M scheint in südlicher [sic!] Richtung auf eine suborbitale Bahn mit 
einem Apogäum von rund 700 km aufgestiegen zu sein. Durch eine zweite Zündung 
des Triebwerks der Stufe 2 eine halbe Stunde nach dem Start wurde eine Kreisbahn 
erreicht.

Der von AKO Poljot in Omsk gebaute Satellit Nadjeschda hat Zylinderform, 800 kg 
und einen Schwerkraftausleger zur Stabilisierung. Er wurde vom Navigations- und 
Kommunikationssatelliten Zyklon der frühen 70er-Jahre abgeleitet, der die sowje-
tische Entsprechung zu Transit der US-Marine war. Das System wurde von der Orga-
nisation NPO PM in Krasnojarsk entwickelt, aber später zu Poljot verlagert.

Die Satelliten 11F617 Zyklon waren von 1967 bis 1978 im Einsatz. Ihr Nachfolger 
war 11F627 Zyklon-B (oder Parus), dessen Flugerprobung 1974 begann und der immer 
noch im Einsatz ist. 11F643 Zikada war ab 1976 eine weiterentwickelte Version, 
die auch der zivilen Navigation diente. Die Variante 11F643N des Zikada wurde 
Nadjeschda genannt. Drei davon wurden von 1982 bis 1984 samt der in Frankreich 
entwickelten Such- und Rettungsinstrumentierung COSPAS gestartet. Ihnen folgte 
das Baumuster 17F118 Nadjeschda, wovon bislang sechs Satelliten gestartet worden 
sind.

Nach dem Bahneinschuss stieß Nadjeschda die beiden von Surrey Satellite (SSTL) 
in England gebauten Subsatelliten Tsinghua und SNAP-1 aus. Tsinghua gehört der 
Universität Tsinghua in Peking und weist eine Kamera sowie Kommunikationsnutz-
lasten auf. Der würfelförmige Satellit mit 50 kg hat die Maße 0,69 x 0,36 x 
0,36 m und basiert auf SSTLs Standardsatellitenbus Microsat. Frühere Microsats 
von SSTL fuhren zur Lagestabilisierung einen 6 Meter langen Schwerkraftausleger 
aus. Tsinghua und dessen Vorgänger UoSat-12 haben zwar ebenfalls einen solchen 
Mast, dieser wurde jedoch nicht ausgefahren, da die neuen Satelliten über 
Drallräder zur Dreiachsenstabilisierung verfügen.

SNAP-1 (Surrey Nanosatelliten-Anwendungsplattform) ist ein 6-kg-Satellit mit 
einer Kamera und einem Antrieb zur Erprobung von Rendezvoustechniken im Forma-
tionsflug mit Tsinghua.

NASA-Goddards erster weiterentwickelter Bahnverfolgungs- und Datenrelaissatellit 
wurde am 30. Juni von International Launch Services gestartet. TDRS H wird nach 
seiner Positionierung TDRS 8 genannt werden. Es ist ein Kommunikationssatellit 
auf der Basis des Hughes HS-601 mit einer Leermasse von rund 1600 kg. Er verfügt 
über eine phasengesteuerte S-Band-Antenne und zwei Ku/Ka-Band-Reflektoren von 
4,6 Meter Durchmesser. Die Lockheed Martin Atlas Centaur AC-139, eine zweistu-
fige Variante der Atlas IIA, brachte TDRS H auf eine subsynchrone Transferbahn 
von 237 x 27666 km x 27,0°. AC-139 hob am 30. Juni 1255 UTC vom Raketenstartkom-
plex 36A ab und schwenkte um 1305 UTC auf eine Parkbahn von 167 x 577 km x 28,3° 
ein. Eine zweite Zündung der Centaur führte um 1321 UTC auf die Transferbahn. 
TDRS H ist mit einem flüssig betriebenen Apogäumstriebwerk Primex/Marquardt R4D 
versehen, mit dem die Bahn angehoben werden soll. Die früheren TDRS-Satelliten 
waren von TRW gebaut und mit dem Space Shuttle und Boeings IUS (Inertial Upper 
Stage) gestartet worden.

  TDRS-Missionen
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TDRS 1    Challenger STS-6/IUS-1    Apr. 1983
TDRS B    Challenger STS 51L/IUS-3  Jan. 1986 (Fehlstart)
TDRS 3    Discovery  STS-26/IUS-7   Sep. 1988
TDRS 4    Discovery  STS-29/IUS-9   März 1989
TDRS 5    Atlantis   STS-43/IUS-15  Aug. 1991
TDRS 6    Endeavour  STS-54/IUS-13  Jan. 1993
TDRS 7    Discovery  STS-70/IUS-26  Juli 1995
TDRS 8    Atlas AC-139              Juni 2000

Die erfolgreiche Serie schnell aufeinanderfolgender Starts mit Chrunitschews 
Proton setzte sich am 30. Juni fort. Nutzlast war die kommerzielle Oberstufe 
Energia Blok DM3 mit dem Satelliten Sirius 1 von CD Radio. Es gibt auch einen 
gleichnamigen Sirius 1 von Nordiska Satellit AB, einem HS-376, der 1989 als 
Marco Polo 1 gestartet und nach dem Kauf durch NSAB im Dezember 1993 umbenannt 
wurde. (Es wäre schön, wenn Satellitenbetreiber die ursprünglichen Namen beibe-
hielten. Man kann darauf wetten, dass dies zu endlosen Verwechslungen führen 
wird!)

Der neue Sirius 1 ist ein Digitalradiosatellit, der Radiosendungen auf dem 
S-Band direkt zu Autoradioempfängern in den Vereinigten Staaten ausstrahlen 
wird. Sirius 1 basiert auf dem Loral LS-1300 und hat eine Leermasse von 
schätzungsweise 1500 - 1600 kg. Sirius-Satelliten werden auf geneigte ellip-
tische Bahnen gestartet, und die Proton folgte dabei einem neuen Flugprofil. Die 
dritte Stufe erreichte eine 170-km-Parkbahn mit 64,8° Inklination. (Die übliche 
Parkbahn von Fernmeldesatelliten ist um 51,6° geneigt, 64,8° entspricht aber 
auch der Inklination der Navigationssatelliten der Serie GLONASS.) Die erste 
Zündung der DM führte auf eine Bahn von ungefähr 170 x 6200 km. Ein zweites 
Manöver zwei Stunden nach dem Start brachte Sirius 1 auf eine Umlaufbahn von 
6166 x 47110 km x 63,4°. Als endgültiger Orbit wurden 24000 x 47000 km veran-
schlagt, sodass vermutlich das Apogäumstriebwerk des Satelliten das Perigäum 
anheben wird.

Errata
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Ich wurde aus zuverlässiger Quelle darüber informiert, dass die Namensänderung 
von STEP 5 in TSX 5 nicht in irgendeinem Verdruss über den Programmverlauf be-
gründet war. Die Infrarotkamera der Nutzlast STRV-2 auf TSX-5 wurde von DERA in 
Farnborough entwickelt, die restlichen Komponenten des STRV-2 wurden aber in den 
USA gebaut.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete   Startgelände     Aufgabe   I.D.

 3 Mai 0707   GOES 11           Atlas 2A       Canaveral SLC36A Wetter     22A
 3 Mai 1325   Kosmos 2370       Sojus-U        Baikonur LC1     Erdbeob.   23A
 8 Mai 1601   DSP 20            Titan 4B       Canaveral LC40   Frühwarn.  24A
11 Mai 0148   GPS SVN 51        Delta 7925     Canaveral SLC17A Navsat     25A
16 Mai 0828   Simsat-1 )        Rokot          Plessezk LC133   Test       26A
              Simsat-2 )                                                   26B
19 Mai 1011   Atlantis          Space Shuttle  Kennedy  LC39A   Raumschiff 27A
24 Mai 2310   Eutelsat W4       Atlas 3A       Canaveral SLC36B Komsat     28A
 6 Jun 0259   Gorisont          Proton/Bris-M  Baikonur LC81P   Komsat     29A
 7 Jun 1319   TSX 5             Pegasus XL     Vandenberg RW30/22 Forsch.  30A
24 Jun 0028   Express A Nr. 3   Proton/DM-2M   Baikonur LC200?  Komsat     31A
25 Jun 1150   Fengyun-2         CZ-3           Xichang LC1      Wetter     32A
28 Jun 1037   Nadjeschda )      Kosmos-3M      Plessezk LC132   Navsat     33A
              Tsinghua   )                                      Tech.      33B
              SNAP 1     )                                      Tech.      33C
30 Jun 1255   TDRS 8            Atlas 2A       Canaveral SLC36  Komsat     34A
30 Jun 2208   Sirius 1          Proton/DM3     Baikonur LC81R   Komsat     35A

Gegenwärtiger Status der Raumfähren
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Orbiter                Standort      Mission              Startdatum

OV-102 Columbia        Palmdale      OMDP
OV-103 Discovery       OPF Bucht 1   STS-92,  ISS 3A      Okt. 2000
OV-104 Atlantis        OPF Bucht 3   STS-106, ISS 2A.2b   Sep. 2000
OV-105 Endeavour       OPF Bucht 2   STS-97,  ISS 4A      Nov. 2000?

.-------------------------------------------------------------------------.
|  Jonathan McDowell                 |  phone : (617) 495-7176            |
|  Harvard-Smithsonian Center for    |                                    |
|   Astrophysics                     |                                    |
|  60 Garden St, MS6                 |                                    |
|  Cambridge MA 02138                |  inter : jcm@cfa.harvard.edu       |
|  USA                               |          jmcdowell@cfa.harvard.edu |
|                                                                         |
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