Ausgabe 449

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 449                                             23. März 2001, Cambridge, MA
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Wiedereintritt der Mir 
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Am 19. März war die Mir auf einer Umlaufbahn von 224 x 230 km x 51,6°. Am 23. 
März 0033 UTC führte Progress M1-5 das erste kleine DPO-Manöver durch, bei dem 
die Bahn der Mir von 212 x 218 km auf 190 x 219 km gesenkt wurde. Eine zweite 
kleine Zündung beginnend um 0201 UTC brachte Mir auf eine Bahn von 150 x 215 km. 
Das Hauptretromanöver begann um 0507 UTC und senkte das Perigäum auf weniger als 
80 km ab. Beobachter auf Fidschi sahen um 0550 UTC mehrere helle eintretende 
Objekte über ihren Köpfen vorbeiziehen, was bestätigt, dass die Station zu 
diesem Zeitpunkt auseinandergebrochen war. Die Aufschlagszone lag bei 40° S 
160° W.

DOS 7 (die orbitale Langzeitstation 7), die nach dem Start im Februar 1986 Mir 
genannt wurde, war die 10. sowjetische Raumstation, die die Startrampe verließ. 
Sie wurde von 111 Raumfahrzeugen angesteuert. Sie war 4591 Tage lang von Raum-
fahrern bewohnt, die von ihr 79 Außenbordeinsätze durchführten. Dem längsten 
durchgehend bemannten Zeitraum (von kurzen Abwesenheiten während des Umdockens 
der Sojus einmal abgesehen, bei denen die Besatzung innerhalb weniger Hundert 
Meter der Station blieb) fehlten nur 11 Tage auf eine ganze Dekade. Der 
Aufenthaltsrekord von 437 Tagen für einen einzelnen Flug an Bord der Mir wurde 
1994 - 1995 von Waleri Poljakow aufgestellt.

Die Komponenten der Mir zum Zeitpunkt des Wiedereintritts waren:

 Bezeichnungen          Name                Startdatum

 DOS 7  17KS Nr. 127-1  "Mir"               Feb. 1986
 TsM-E  37KE Nr. 010    "Kwant"             März 1987
 TsM-D  77KS Nr. 171-1  "Kwant-2"           Nov. 1989
 TsM-T  77KS Nr. 172-1  "Kristall"          Mai  1990
 TsM-O  77KS Nr. 173-1  "Spektr"            Mai  1995
 SO     316GK Nr. 1     Stykowotschny Otsek Nov. 1995
 TsM-I  77KS Nr. 174-1  "Priroda"           Apr. 1996
        7K-TGM Nr. 254  "Progress M1-5"     Jan. 2001

Shuttle und Raumstationen
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Discovery startete am 8. März 1142:09 UTC zur Mission STS-102 (Raumstations-
flug 5A.1). Um 1150 UTC wurden die Haupttriebwerke abgestellt und der externe 
Tank separiert. Der Orbiter und der Außentank waren zu diesem Zeitpunkt auf 
einer Umlaufbahn von 60 x 222 km x 51,6°. Der Raumgleiter zündete um 1221 UTC 
seine OMS-Triebwerke und hob die Bahn auf 185 x 219 km an, während ET-107 in 
Richtung Pazifik zurückfiel. Die Startmasse Discoverys betrug vermutlich rund 
114000 kg. Der in der Pressebroschüre der NASA angeführte Wert ist eindeutig 
falsch.

Discovery koppelte am 10. März 0639 UTC an den Kopplungsstutzen PMA-2 der Raum-
station. Bill Harwoods Bericht in spaceflightnow.com zufolge wurde Ussatschow um 
1034 UTC Mitglied der ISS-Besatzung.

Am 11. März unternahmen Jim Voss und Susan Helms von Discoverys Luftschleuse aus 
einen Außenbordeinsatz. Eine Vorrichtung zur Befestigung von Ausrüstungs-
gegenständen am Roboterarm (PAD) schwebte davon und Voss holte einen Ersatz von 
Unity, was den Raumausstieg verzögerte. Das PAD wurde von Space Command als 
Satellit 26723 mit der internationalen Kennung 2001-010B katalogisiert. Die 
Astronauten brachten das Lab Cradle Assembly und das Rigid Umbilical an Destiny 
an und trennten die Anschlüsse zwischen dem Kopplungsadapter PMA-3 und Unity 
auf. Zurück in der dekomprimierten Luftschleuse verbrachten die Astronauten dort 
zweieinhalb Stunden auf Abruf für den Fall, dass ihre Hilfe beim Umsetzen von 
PMA-3 erforderlich geworden wäre. Thomas nahm PMA-3 mittels Roboterarm vom 
Nadiradapter Unitys ab und verlagerte es zur Backbordseite, wodurch die 
Nadirseite für das MPLM frei wurde. Die Luftschleuse wurde um 0508 UTC 
dekomprimiert und um 1408 UTC wieder unter Druck gesetzt. Die Dauer betrug 9 h 
00 m (Dekomprimierung/Druckausgleich), etwa 6 h 16 m (Ausstieg/Einstieg), 8 h 
54 m (Luke auf/zu) und 8 h 56 m (NASA-Regel).

Das Modul Leonardo wurde am 12. März 0410 UTC aus der Nutzlastbucht gehoben und 
um 0606 UTC am Nadiradapter Unitys festgemacht.

Am 13. März fand der zweite Raumausstieg mit Andy Thomas und Paul Richards 
statt. Die Luftschleuse wurde um 0518 UTC dekomprimiert und um 0520 UTC wurde 
das Schott geöffnet. Die Astronauten brachten die externe Stauplattform (ESP) 
vom ICC-Träger zur Backbordseite des Destiny-Moduls und stellten dann das 
Ersatzpumpenkontrollsystem darauf ab. Die ESP wird zur Lagerung von Ersatzteilen 
in der Umlaufbahn genutzt. Als Nächstes brachten sie Kabel am Kabelbaum des 
Roboterarmes an, stiegen ans obere Ende des Auslegersegments P6, um eine 
Verriegelung des Solarflügels zu richten - es bedurfte nur eines ordentlichen 
Hammerschlages - und inspizierten das Experiment FPP. Die Astronauten kehrten um 
1132 UTC zur Luftschleuse zurück und begannen um 1144 UTC mit dem 
Druckausgleich. Die Dauer betrug 6 h 26 m (Dekomprimierung/Druckausgleich), 5 h 
58 m (Ausstieg/Einstieg), 6 h 13 m (Luke auf/zu) bzw. 6 h 21 m (NASA-Zählweise).

Nach einer Minute Druckausgleich in der Luftschleuse meldete sich Shannon Lucid 
von Houston und wies die Besatzung an, den Druckausgleich anzuhalten. Um 1149 
lief die erneute Dekomprimierung der Luftschleuse an und um 1155 war sie wieder 
bei null. Die Bodenkontrolle wollte Daten für das spezifizierte Testziel 
(DTO 257) zur Evaluierung des Effekts der Zündung der Lagerelegungsdüsen des 
Shuttles bei angekoppelter ISS und evakuierter Luftschleuse gewinnen, da dies 
das dynamische Verhalten beeinflusst. Schließlich wurde die Luftschleuse um 1209 
UTC wieder unter Druck gesetzt. Da der anfängliche Druckausgleich die Luft-
schleuse bis auf 120 mbar (1,8 psi) brachte und ich willkürlich 100 mbar als 
Grenzwert für "dekomprimierte Aktivitäten" gesetzt habe, zählt für mich der 20-
minütige Zeitraum von 1150 bis 1209 als eine separate Operation unter Vakuumbe-
dingungen. Die NASA zählte die neuerliche Dekompression nicht als EVA. Die Luke 
blieb geschlossen und die Astronauten blieben innerhalb der Luftschleuse.

Leonardo wurde am 1. März [sic!] um 1042 UTC von Unity abgesetzt und um rund 
1204 UTC wieder verladen. Am 19. März 0232 UTC ging das Kommando der ISS an die 
Expedition 2 über und die Luken wurden verschlossen. Discovery legte um 0432 UTC 
ab und umrundete einmal die Station, bevor sie sich um 0548 UTC entfernte. Die 
Masse der ISS betrug nach dem Ablegen 115527 kg. Die OMS-Triebwerke zündeten am 
21. März 0625 UTC zum Retromanöver und um 0731 UTC setzte Discovery auf Roll-
bahn 15 am Kennedy-Raumfahrtzentrum auf.

Kürzliche Starts
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Der erste Start einer Ariane 5 in diesem Jahr fand am 8. März statt. Die kryo-
gene Hauptstufe gelangte auf eine begrenzte Umlaufbahn mit einem Apogäum von 
rund 1000 km und trat während ihres ersten Umlaufs über dem Pazifik wieder ein. 
Die Oberstufe EPS beförderte die beiden Nutzlasten auf eine geostationäre Trans-
ferbahn.

Die Nutzlasten waren EUTELSATs Eurobird und der japanische BSAT-2a. Eurobird ist 
ein von Alcatel (Cannes) gefertigter Spacebus 3000B3. Die Leermasse beträgt 
vermutlich etwa 1300 kg. Der Satellit verfügt über ein mit Zweikomponententreib-
stoff betriebenes Triebwerk der Marke Astrium S400.

BSAT-2a ist der zweite Fernsehsatellit des Typs Orbital STAR. Seine Startmasse 
beträgt 1317 kg und die Leermasse ist 535 kg. Der Satellit hat einen Apogäumsmo-
tor der Marke Thiokol Star 30CBP. Joe Hopkins meldet, dass die neuen BSTAR-Sa-
telliten der Serie STAR eine neue Konstruktion sind, die den früheren Typ 
Starbus ersetzt, von dem nur ein einziger (Cakrawarta 1) gestartet worden war. 
BSAT Corp. (Broadcasting Satellite System Corp.) setzte davor BSAT 1a und 1b 
basierend auf der Satellitenplattform HS-376 ein, die ihrerseits die staatliche 
BS-Reihe ersetzte, die 1978 in Japan mit der Direktausstrahlung begonnen hatte.

Der Satellit XM-2 "Rock" wurde am 18. März gestartet. XM Radios zweiter Sa-
tellit, XM-1 "Roll", wird im Laufe dieses Jahres folgen. Die Satelliten von XM 
Radio werden digitale Radioprogramme in den USA ausstrahlen. Die Satelliten sind 
vom Baumuster Boeing 702. Eine Boeing Sea Launch Zenit-3SL hob von der 
schwimmenden Startplattform Odyssey im Pazifik bei 0° N 154° W ab. Die 
zweistufige Zenit brachte die Blok DM auf eine suborbitale Flugbahn mit einem 
Apogäum von 190 km. Mit der ersten Zündung der DM wurde eine Umlaufbahn von 180 
x 990 km x 1,3° erreicht und bei der zweiten Zündung gelangte Rock auf eine 
geostationäre Transferbahn.

Eine genauere Zeitangabe für die Landung NEARs auf (433) Eros am 12. Februar ist 
1944:17 UTC, wobei der Signalempfang auf Erde um 2001:52 UTC erfolgte.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name               Trägerrakete   Startgelände     Aufgabe   I.D.

 7 Feb 2306   Sicral    )        Ariane 44L     Kourou ELA2      Komsat     05A
              Skynet 4F )                                        Komsat     05B
 7 Feb 2313   Atlantis (STS-98)) Space Shuttle  Kennedy LC39A    Raumschiff 06A
              Destiny          )                                 Modul      06B
20 Feb 0848   Odin               Start-1        Swobodny         Astronomie 07A
26 Feb 0809   Progress M-44      Sojus-U        Baikonur LC1     Fracht     08A
27 Feb 2120   Milstar DFS 4      Titan Centaur  Canaveral SLC40  Komsat     09A
 8 Mrz 1142   Discovery (STS-102) Shuttle       Kennedy LC39B    Raumschiff 10A
              Leonardo                                           Modul
 8 Mrz 2251   Eurobird  )        Ariane 5G      Kourou ELA3      Komsat     11A
              BSAT-2a   )                                        Komsat     11B
18 Mrz 2233   XM-2 Rock          Zenit-3SL      Odyssey,Pazifik  Komsat     12A

Gegenwärtiger Status der Raumfähren
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Orbiter                Standort      Mission              Startdatum

OV-102 Columbia        OPF Bucht 1   STS-109, HST SM-3B   19. Nov. 2001
OV-103 Discovery       OPF Bucht 2   STS-105, ISS 7A.1    12. Juli 2001
OV-104 Atlantis        OPF Bucht 3   STS-104, ISS 7A       7. Juni 2001
OV-105 Endeavour       LC39A         STS-100, ISS 6A      19. Apr. 2001

.-------------------------------------------------------------------------.
|  Jonathan McDowell                 |  phone : (617) 495-7176            |
|  Harvard-Smithsonian Center for    |                                    |
|   Astrophysics                     |                                    |
|  60 Garden St, MS6                 |                                    |
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|  USA                               |          jmcdowell@cfa.harvard.edu |
|                                                                         |
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