Ausgabe 454

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 454                                             10. Juni 2001, Cambridge, MA
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Shuttle und Raumstation
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Nach einem Flugzeugabsturz am 22. Mai in Manvel, Texas, verschied Dr. Patricia 
Hilliard Robertson, eine Astronautenanwärterin der NASA, frühmorgens am 25. Mai 
(UTC) in einem Krankenhaus in Houston. Dr. Robertson, 38, war Passagier in dem 
kleinen Privatflugzeug. 

Am 8. Juni führten die Astronauten der Raumstation Juri Ussatschow und James 
Voss in Orlan-M-Raumanzügen im Transferabteil von Swesda Arbeiten unter Vakuum-
bedingungen durch, während Susan Helms im druckbelüfteten Sarja-Modul blieb (die 
Sojus-Raumkapsel ist an Sarja gekoppelt). Die Transferschleuse Swesdas war um 
1404 UTC dekomprimiert und die Astronauten schalteten um 1419 UTC auf Batterie-
strom um. Dann wurde um 1420 UTC das flache Schott mit einem Meter Durchmesser 
vom Nadir-Kopplungsadapter entfernt und damit das Transferabteil zum Vakuum hin 
geöffnete (NASA TV berichtete, dass dies um 1421 UTC geschah). Swesdas 
Andockkegel, der nach der Kopplung mit Sarja im vorigen Jahr vom axialen Schott 
abmontiert worden war, wurde dann um etwa 1432 UTC in der offenen Luke 
eingesetzt und gegen 1440 UTC an Ort und Stelle abgedichtet, wodurch das Segment 
wieder verschlossen war. Das Modul wurde ab 1458 UTC wieder unter Druck gesetzt. 
Die Aktion dauerte 54 Minuten (Dekomprimierung/Druckausgleich), 20 Minuten (Luke 
auf/zu, russische Zählart), 0 Minuten (Ausstieg/Einstieg - es wurde keine 
eigentliche Außenbordtätigkeit durchgeführt) bzw. 39 Minuten (die übliche NASA-
Zählweise). Obschon die NASA normalerweise EVAs vom "Umschalten der Raumanzüge 
auf Batteriestrom" bis zum Druckausgleich stoppt, schlossen sie sich diesmal der 
russischen Zählart an, bei der die Zeit bei geöffneter Luke genommen wird. Da-
durch wurden Jim Voss 19 Minuten von seiner EVA-Bilanz genommen, die ihm norma-
lerweise gutgeschrieben worden wären.

Die Mission STS-104 könnte sich aufgrund von Problemen mit dem Roboterarm 
Canadarm-2 der Raumstation (SSRMS) verzögern. Die SSRMSS-Steuerungseinheit des 
Armes und das Schultergelenk wiesen Störungen ihrer Reservesysteme auf. Die 
Luftschleuse (die Hauptnutzlast von STS-104) kann nicht ohne SSRMS montiert 
werden. Auch wenn der Arm in seinem gegenwärtigen Zustand eingesetzt werden 
kann, so gibt es Bedenken, dass im Falle eines Systemausfalls nicht genügend 
Redundanz vorhanden ist. Möglicherweise wird der Arm bei einem Außenbordeinsatz 
von STS-105 repariert werden und sich STS-104 entsprechend auf einen späteren 
Zeitpunkt des Jahres verschieben. Ein funktionstüchtiges SSRMS ist für alle 
zukünftigen Montagearbeiten an der Raumstation erforderlich. Die Probleme 
dürften den diesjährigen Shuttle-Zeitplan weiter verzögern. Vor Kurzem wurde die 
nächste Hubble-Wartungsmission auf Anfang 2002 verschoben.


Kürzliche Starts
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Kosmos 2377 wurde am 29. Mai auf eine Umlaufbahn von 165 x 358 km x 67,1° ge-
startet, die typisch für Aufklärungssatelliten der Jantar-Klasse ist. Diese 
möglicherweise Kobalt genannte Generation der Jantars ist mit einer großen Lan-
dekapsel samt Kamerasystem und Filmen sowie zwei kleinen Filmkapseln ausge-
rüstet, die während der Mission abgesetzt und geborgen werden können. Der Sa-
tellit bleibt vermutlich 120 Tage lang im Weltraum, womit die Landung um den 26. 
September herum erfolgen dürfte.

Kosmos 2378 wurde am 8. Juni auf eine Umlaufbahn von 963 x 1010 km x 82,9° ge-
startet. Es handelt sich vermutlich um einen Navigationssatelliten der Parus-
Klasse. Die Trägerrakete Kosmos-3M stieg von Plessezk auf und gelangte auf eine 
Transferbahn von ungefähr 150 x 1000 km. Mit einer kurzen zweiten Brenndauer von 
11 s beförderte die Zweitstufe Parus auf seine endgültige Bahn. Es ist der erste 
Flug einer Kosmos-3M seit einem Fehlschlag im November 2000.

Arianespace startete am 9. Juni Intelsat 901. Der erste der Serie Intelsat 9 
stellt Telekommunikationsdienste im atlantischen Bereich für Intelsat bereit. 
Die zwischenstaatliche Internationale Organisation für Satellitentelekommuni-
kation ITSO (INTELSAT) mit Hauptsitz in Washington, D.C. ist im Begriff seine 
Satelliten an das privatisierte Unternehmen Intelsat LLC zu übertragen. 

Intelsat 901 ist ein FS-1300HL, eine verbesserte Version der bewährten Plattform 
FS-1300 von Space Systems/Loral (ursprünglich Aeronutronic Ford). Der Satellit 
leuchtet Sendegebiete in der Atlantikregion im C-Band aus und verfügt zudem über 
einen Ku-Band-Richtstrahl für Europa. Er verfügt (vermutlich) über ein Flüssig-
Apogäumstriebwerk R-4D und hat eine Leermasse von 1972 kg sowie eine Startmasse 
von 4723 kg. Er stellt Internet-, Video- und Telefondienste bereit. Er wird bei 
18° W stationiert werden. Der Satellit wurde mit einer Ariane 44L von Kourou auf 
eine geostationäre Transferbahn befördert, wo er zusammen mit der kryogenen 
Drittstufe H-10-3 anlangte.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete   Startgelände     Aufgabe     I.D.

 8 Mai 2210   XM-1 Roll         Zenit-3SL      Odyssey, Pazifik S-Band-Radio 18A
15 Mai 0111   PAS 10            Proton-K/DM3   Baikonur LC81/23 C/Ku Video   19A
18 Mai 1745   GeoLITE           Delta 7925     Canaveral SLC17B Laser/UHF    20A
20 Mai 2233   Progress M1-6     Sojus-FG       Baikonur LC1     Fracht       21A
29 Mai 1755   Kosmos 2377       Sojus-U        Plessezk LC43/4  Aufklärung   22A
 8 Jun 1512   Kosmos 2378       Kosmos-3M      Plessezk LC132   Navsat       23A
 9 Jun 0645   Intelsat 901      Ariane 44L     Kourou ELA2      C/Ku Telek.  24A

Gegenwärtiger Status der Raumfähren
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Orbiter                Standort      Mission              Startdatum
 
OV-102 Columbia        VAB Bucht 4   STS-109, HST SM-3B   17. Jan. 2002  
OV-103 Discovery       OPF Bucht 2   STS-105, ISS 7A.1     5. Aug. 2001?    
OV-104 Atlantis        VAB Bucht 1   STS-104, ISS 7A       7. Juli 2001  
OV-105 Endeavour       OPF Bucht 1   STS-108, ISS UF-1    29. Nov. 2001  

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