Ausgabe 491

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 491                                          2. Dezember 2002, Cambridge, MA
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Shuttle und Raumstation
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Endeavour startete am 24. November 0049 UTC zur Raumtransportermission STS-113. 
Das Erlöschen der Haupttriebwerke (MECO) war mit bloßem Auge vom Dach des 
Harvard-Observatoriums zu erkennen, als die Raumfähre und der Externe Tank (ET) 
über die Skyline von Boston zogen. STS-113 beförderte die Langzeitbesatzung 6 
und das Auslegersegment P1 zur Internationalen Raumstation. Zwei Astronauten der 
Endeavour, Mike Lopez-Alegria und John Herrington, unternahmen drei 
Außenbordeinsätze durch die Quest-Luftschleuse der Raumstation.

Die SRBs wurden zwei Minuten nach dem Start abgetrennt. Die OMS-Triebwerke 
führten das mittlerweile standardmäßige Starthilfsmanöver in der frühen 
Aufstiegsphase durch. Ein Ventil des rechten OMS-Triebwerks öffnete sich während 
der Zündung nicht vollständig und so wurde entschieden, bei den nachfolgenden 
Manövern nur das linke OMS-Triebwerk einzusetzen. Die Haupttriebwerke wurden 
acht Minuten nach dem Start um 0058 UTC abgeschaltet und der ET wurde separiert, 
während sich ET und Raumgleiter auf einer Umlaufbahn von 59 x 232 km x 51,6° 
befanden. Um 0127 UTC erreichten ET und Endeavour das Apogäum und Endeavour 
zündete das linke OMS-Triebwerk für fünf Minuten, um ihr Perigäum anzuheben. Der 
ET hingegen fiel zurück nach unten und trat über dem Pazifik wieder ein.

Endeavour koppelte am 25. November 2159 UTC an die Internationale Raumstation. 
Der Roboterarm der Raumfähre griff am 26. November 1501 UTC den Ausleger P1 in 
der Ladebucht und hob ihn um 1522 UTC an. Der SSRMS-Arm der Raumstation fasste 
P1 um 1641 UTC und der Roboterarm des Raumgleiters löste um 1650 UTC seinen 
Griff, womit die erste Übergabe eines Stationssegments von Roboterarm zu 
Roboterarm abgeschlossen war. Der SSRMS-Kran bewegte P1 an das Ende des 
Auslegers S0 und fügte es zwischen 1836 und 1848 UTC dort an. Lopez-Alegria und 
Herrington machten am 26. November den ersten Raumausstieg durch die Quest-
Luftschleuse. Die Dekompression erfolgte gegen 1945 UTC, die Luke wurde um 1947 
UTC geöffnet, Lopez-Alegria verließ sie um 2000 UTC, Herrington folgte ein paar 
Minuten später. Die Astronauten verbanden die Leitungen zwischen P1/S0, 
entfernten Hilfsstreben von P1 und die Transportsicherungen des Wagens CETA-B. 
Sie montierten auch mehrere Schellen (SPDs) an den Ammoniakleitungen und 
brachten eine Fernsehkamera am Ausleger an. Die Astronauten kehrten am 27. 
November zwischen 0206 und 0216 UTC zur Luftschleuse zurück und schlossen die 
Luke um 0229 UTC. Der Druckausgleich erfolgte um 0235 UTC, womit die Zeit im 
Vakuum 6 h 50 m betrug, davon 6 h 42 m bei geöffneter Luke. Die Ausstiegsdauer 
laut NASA-Regeln betrug 6 h 45 m.

EVA-2 begann am 28. November mit der Dekomprimierung um ungefähr 1831 UTC und 
dem Öffnen der Luke gegen 1833 UTC. Die Astronauten schalteten um 1836 UTC auf 
EMU-Batteriestrom um und verließen Quest um ungefähr 1845 UTC. Sie entfernten 
Kielstreben von P1, montierten Fernsehkameras und verschoben den Wagen CETA-2 
von P1 nach S1. Die Luke wurde um 0041 UTC verriegelt und der Druckausgleich 
begann um 0046 UTC, womit die Vakuumzeit ungefähr 6 h 15 m betrug und die Luke 
für 6 h 08 m offen war. Die Dauer des Raumausstieges laut NASA-Richtlinien 
betrug 6 h 10 m.

Am 30. November wurde der Mobile Transporter (MT) von Arbeitsstelle 4 auf S0 zur 
Position 7 am Ende von P1 verschoben. Er wurde um 1621 UTC in Bewegung gesetzt, 
blieb aber wenige Meter vor seinem Ziel stecken, was die geplante Verwendung als 
Plattform des SSRMS-Armes während des Außenbordeinsatzes vereitelte. EVA-3 
begann mit der Dekomprimierung um 1921 UTC und dem Öffnen der Luke um 1924 UTC. 
Die Astronauten schalteten um 1925 UTC auf Batteriestrom um. Herrington fuhr die 
UHF-Antenne auf P1 aus, welche den Weg des MT blockierte hatte und der MT 
erreichte schließlich um 0011 UTC seinen Bestimmungsort. Die Astronauten kehrten 
um 0215 UTC zu Quest zurück, schlossen um 0222 UTC die Luke und begannen um 0225 
UTC mit dem Druckausgleich. Die Dauer betrug 7 h 04 m (von Dekomprimierung bis 
Druckausgleich), 6 h 58 m (Luke auf/zu) bzw. 7 h 00 m (nach den Regeln der 
NASA). Während des Außenbordeinsatzes brachten die Astronauten weitere Klemmen 
an den Verbindungsstücken der Ammoniakleitungen der Raumstation an.

Kürzliche Starts
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Der Satellit Astra 1K wurde am 25. November von International Launch Services 
mit einer Chrunitschew Proton-K und einer Oberstufe des Typs Energia Blok DM3 
gestartet. Die Proton-K gelangte auf eine suborbitale Flugbahn von -744 x 183 km 
x 51,6° und löste sich von der DM3. Die DM3 führte um 2321 UTC den Bahneinschuss 
auf eine 175-km-Kreisbahn durch. Es waren zwei weitere Zündungen geplant, aber 
die Blok DM3 konnte nicht mehr gestartet werden und Astra 1K strandete auf der 
Parkbahn. 

USAF Space Command/US Strategic Command verzeichnet zwei Objekte auf einer 
niedrigen Bahn und nennt sie "Astra 1K" und "Block DM-SL R/B". Bei der Oberstufe 
handelt es sich jedoch um keine Block DM-SL (Sea-Launch-Variante), sondern um 
eine Block DM-2M in ihrer kommerziellen Variante DM3. Den Daten von Space 
Command zufolge, manövrierte Astra 1K am 26. November um ungefähr 2200 UTC von 
einer Bahn von 156 x 171 km auf 146 x 299 km (laut Analyse von B. Gimle). Dann 
gab es eine weitere Bahnanhebung auf 218 x 307 km. Ein weiteres Manöver am 27. 
November um 1332 UTC führte auf eine Bahn von 217 x 362 km und am 1. Dezember 
lag der Orbit bei 257 x 308 km. Das wird den Satelliten für einige zusätzliche 
Tage in der Umlaufbahn halten, während derer seine Eigner einen Plan entwickeln, 
wie der Satellit mit seinem Bordantrieb sicher über einem freien Bereich des 
Ozeans aus der Umlaufbahn entfernt werden kann. Die Blok DM mit 2500 kg trat am 
28. November um 1415 UTC über dem Gebiet Washington/Oregon wieder ein. Der 
Treibstoff war am Tag des Starts abgelassen worden.

Astra 1K hat einen Satellitenbus des Fabrikats Alcatel Spacebus 3000B3S (ein 
Satellitenbus SB4000, aber mit der älteren Avionik des SB 3000B3). Die 
Startmasse betrug 5250 kg. Er hat 52 Ku-Band und 2 Ka-Band-Kanäle. Der Satellit 
hat ein Flüssig-Apogäumstriebwerk der Marke Astrium S400. Astra 1K sollte Astra 
1B ersetzen und zusätzliche Kapazitäten für Osteuropa bereitstellen. Er verfügt 
auch über Ka-Band-Reservekapazität für Astra 1H. Die Ku-Band-Nutzlast im Bereich 
10,7 - 11,7 GHz deckt ganz Europa ab. Die Sendeausleuchtung war so konzipiert, 
dass UK/Irland, das kontinentale Europa und die europäischen GUS-Staaten 
abgedeckt sind. Die Astra-Satelliten werden von SES mit Sitz in Luxemburg 
betrieben.

Drei kleine Nutzlasten, AlSAT-1, Mozhaets und Rubin-3-DSI, wurden am 28. 
November um 0607 UTC mit einer Kosmos-3M-Rakete von Plattform 132/1 bei Plessezk 
gestartet. Sie gelangten um 0614 UTC in nördlicher Richtung auf eine leicht 
suborbitale Übergangsbahn von etwa -60 x 805 km x 98° und bei Erreichen von 
ungefähr 700 km wurde die zweite Stufe der Kosmos-3M erneut gezündet, um die 
Bahn auf 681 x 742 km x 98,2° zu zirkularisieren. Die Satelliten AlSAT-1 und 
Mozhaets trennten sich um 0641 UTC von der zweiten Stufe. Rubin-3-DSI blieb mit 
der Zweitstufe verbunden. Das war der zweite Start einer Kosmos-3M auf eine 
sonnensynchrone Bahn. Laut M. Meerman von SSTL umfasste das Aufstiegsprofil ein 
Giermanöver, um Alaska nicht zu überfliegen und dennoch die Standardabwurfzone 
der ersten Stufe zu verwenden. Außerdem wurde die Nutzlastverkleidung früher als 
üblich abgetrennt, was eine stärkere Aufheizung als bei einem normalen Start 
verursachte.

AlSAT-1 ist ein Erdbeobachtungssatellit von 90 kg, der von Surrey Satellite für 
CNTS (Centre National des Techniques Spatiales) in Algier gebaut wurde. Es ist 
der erste Satellit der internationalen Konstellation zum Katastrophenschutz, die 
Einsatzkräfte mit Bildmaterial aus dem All unterstützen wird. Er ist mit einer 
3-Kanal-Kamera mit 32 m Auflösung sowie einem 100-mN-Resistojet für kleine 
Bahnkorrekturen und einen GPS-Empfänger ausgerüstet. Der Satellit der Reihe SSTL 
Microsat-100 ist ein Würfel mit 0,60 m Kantenlänge und einem 6 m langen 
Schwerkraftausleger. Neben der Ausrichtung am Gravitationsgradienten setzt er 
ein Drallrad zur Verbesserung der Stabilität beim Fotografieren ein.

Mozhaets ist ein Nachfolger der Satelliten Seja und Radio-ROSTO mit 64 kg, der 
von NPO Prikladnoj Mechaniki in Schelesnoworsk gefertigt wurde und mit einer 
Nutzlast ausgestattet ist, die von Studenten der Militärakademie Mozhaisky in 
St. Petersburg entwickelt wurde. Er könnte auf dem Satellitenbus des kleinen 
Kommunikationssatelliten Strela-1M basieren. Er verfügt über einen GLONASS/GPS-
Empfänger, einen Partikeldetektor und eine Amateurradionutzlast. Rubin-3-DSI hat 
eine Masse von 45 kg und wurde von PO Poljot in Omsk (Hersteller der Kosmos-3M) 
und OHB System in Bremen gebaut. Er misst Umgebungsgrößen und Leistungsparameter 
beim Raketenstart (Teile dieser Information wurden der Webseite 
www.cosmoworld.ru/spaceencyclopedia/hotnews entnommen; Dank an Audrey Nice von 
SSTL für die Info über AlSAT).


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete   Startgelände     Aufgabe     I.D.

 7 Okt 1946   Atlantis )        Shuttle        Kennedy LC39B    Raumschiff   47A
              S1       )                                        Stationsmodul 
15 Okt 1820   Foton-M           Sojus-U        Plessezk LC43/3  Mikrograv.   F02
17 Okt 0441   Integral          Proton-K       Baikonur LC81/23 Astronomie   48A
27 Okt 0317   ZY-2              CZ-4B          Taiyuan          Erdbeob.     49A
30 Okt 0311   Sojus TMA-1       Sojus-FG       Baikonur LC1     Raumschiff   50A
20 Nov 2239   Eutelsat W5       Delta 4M+(4,2) Canaveral SLC37B Komm.        51A
24 Nov 0049   Endeavour )       Shuttle        Kennedy LC39A    Raumschiff   52A
              P1        )                                       Stationsmodul 
25 Nov 2304   Astra 1K          Proton-K       Baikonur LC81/23 Komm.        53A
28 Nov 0607   AlSAT-1     )     Kosmos-3M      Plessezk LC132/1 Erdbeob.     54A
              Mozhaets    )                                     Technologie  54B
              Rubin-3-DSI )                                     Technologie  54C

Gegenwärtiger Status der Raumfähren
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Orbiter                Standort     Mission            Startdatum
 
OV-102 Columbia        OPF          STS-107, Spacehab  16. Jan. 2003 
OV-103 Discovery       OPF          Wartung
OV-104 Atlantis        OPF          STS-114, ISS ULF   11. März 2003 
OV-105 Endeavour       LEO/ISS      STS-113, ISS 11A   24. Nov. 2002 

.-------------------------------------------------------------------------.
|  Jonathan McDowell                 |  phone : (617) 495-7176            |
|  Harvard-Smithsonian Center for    |                                    |
|   Astrophysics                     |                                    |
|  60 Garden St, MS6                 |                                    |
|  Cambridge MA 02138                |  inter : jcm@cfa.harvard.edu       |
|  USA                               |          jmcdowell@cfa.harvard.edu |
|                                                                         |
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