Ausgabe 521

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 521                                         27. Februar 2004, Somerville, MA
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Die Astronauten Foale und Kaleri unternahmen am 26. Februar einen 
Außenbordeinsatz. Das Kopplungsmodul Pirs auf der internationalen Raumstation 
war gegen 2055 UTC auf weniger als 50 mbar dekomprimiert. Nach dem Umschalten 
auf die interne Stromversorgung der Raumanzüge um 2105 UTC öffneten die 
Astronauten um 2117 UTC die Luke. Während des Raumausstieges wurden außen an 
Swesda Experimente montiert. Der Ausstieg wurde gekürzt, als der Sublimator 
in Kaleris Raumanzug Orlan-M Nr. 23 vermutlich wegen einer abgequetschten 
Flüssigleitung versagte und Wasser innerhalb des Anzugs kondensierte. Dies 
war der 8. Einsatz von Raumanzug M-23 seit dem Start an Bord von Swesda im 
Jahr 2000. Foales Raumanzug, Orlan-M Nr. 14, wurde an Bord von Pirs gestartet 
und war zum 5. Mal in Gebrauch. Wenngleich vier der Orlan-Raumanzüge auf der 
Mir gar 14-mal eingesetzt wurden, so betrug die längste Zeitspanne zwischen 
Start und letztem Gebrauch bei Orlan DMA Nr. 25 nur 3 Jahre und 3 Monate (14 
Einsätze 1993 - 1996). M-23 ist 3 Jahre 7 Monate oben, eine 
Rekordnutzungsdauer für EVA-Raumanzüge. Vor Kurzem wurden zwei neue 
Raumanzüge an Bord des Frachtschiffs Progress M1-11 angeliefert.

Die Luke von Pirs wurde um 0112 UTC geschlossen und um 0115 UTC begann der 
Druckausgleich der Luftschleuse, womit die Vakuumzeit 4 h 20 m dauerte und 
die Luke für 3 h 55 m geöffnet war. Kaleri schien aufgrund des angelaufenen 
Visiers Probleme beim Ablesen der Luftschleusenbedienungsanzeigen zu haben.

 
Die US-Luftwaffe startete am 14. Februar einen Frühwarnsatelliten der DSP-
Reihe (Defense Support Program) mit einer Lockheed Martin Titan 4B von Cape 
Canaveral. Die Titan 4B-39 beförderte die Oberstufe IUS-10 auf eine Parkbahn. 
Zwei Zündungen der IUS-Feststoffmotoren brachten DSP-22 auf eine 
geostationäre Driftbahn. Die zweite Stufe der Titan verbleibt auf einer 
niedrigen Bahn, der Feststoffmotor IUS SRM-1 ist auf einer geostationären 
Transferbahn und SRM-2 ist auf der geostationären Driftbahn. Die Abdeckung 
des Infrarotteleskops des DSP-Satelliten wurde vermutlich einige Tage später 
in Vorbereitung der Inbetriebnahme des Satelliten zur Raketenüberwachung 
abgestoßen. Es war der 24. und letzte Einsatz der IUS-Oberstufe von Boeing, 
die 1982 ihr Debüt hatte. Die 25. Einheit, IUS-23, wurde nie eingesetzt. Der 
letzte DSP wird mit einer Boeing Delta 4 gestartet werden. Die DSP-Satelliten 
wurden in Northrop Grummans Werk Redondo Beach (früher TRW) gebaut.

Es wurden keine Bahnelemente für DSP-22 herausgegeben, wenngleich 
Amateurastronomen von verschiedenen Orten in den USA, die Apogäumszündung der 
IUS SRM-2 als helle Wolke beobachteten.

Russland startete am 18. Februar von Plessezk und in Anwesenheit des 
Präsidenten Wladimir Putin eine Trägerrakete des Typs Molnija-M. Die Rakete 
erreichte zunächst eine niedrige Parkbahn, zündete einen halben Umlauf später 
erneut und setzte seine Nutzlast auf einer elliptischen 12-Stunden-Bahn aus. 
Die Nutzlast erhielt die Bezeichnung Kosmos 2405. Die normalerweise 
zuverlässige Quelle Nowosti Kosmonawtiki meldete, dass es sich um den Start 
eines militärischen Fernmeldesatelliten des Baumusters Molnija-1T handelt. 
Andere Quellen sprechen von einem Oko-Frühwarnsatelliten. Die Bahn weist ein 
Argument des Perigäums von 287 Grad auf, ähnlich dem der Molnijas und der 
letzten beiden Oko-Starts, aber abweichend von den Okos vor 2002. An Molnija-
1T werden normalerweise keine Kosmos-Codenamen vergeben, was aber kein Beweis 
ist. In Ermangelung weiterer Informationen tendiere ich denoch zur Oko-
Interpretation.

Der Molnija-Start war Teil der Militärübung Besopasnost-2004. Eine 
feststoffgetriebene ICBM des Typs Topol wurde beim gleichen Manöver von 
Plessezk in Richtung des Zielgebietes Kura (Kamtschatka) abgefeuert. Eine 
ICBM UR-100NU (15A35) mit Flüssigtreibstoff wurde von Baikonur und eine U-
Boot-Rakete R-29RM Sinewa wurde vom Unterseeboot K-18 Karelien in der 
Barentssee gestartet. Die Sinewa, eine leicht modifizierte R-29RM Schtil, 
wurde 98 Sekunden nach dem Start zerstört.

Die Mondsonde SMART-1 der ESA schaltete am 30. Januar ihren Ionenantrieb für 
die Dauer der Inbetriebnahme ihrer Instrumentierung ab. Nach dem Start auf 
eine geostationäre Transferbahn von 672 x 35828 km x 6,9° am 27. September, 
erreichte ihre Umlaufperiode Ende Januar 23 Stunden, womit sie sich im 
geosynchronen Bereich befand. Derzeit ist die Umlaufbahn 14312 x 59491 km x 
6,9° mit einer Periode von 24 h 53 m. Die Raumsonde soll im Dezember 2004 
eine Mondbahn erreichen.

Die Sonde Mars Express der ESA befindet sich jetzt auf einer Umlaufbahn von 
260 x 11607 km x 86,59° um den Mars mit einer Periapsis bei etwa 25 Grad 
südlicher Breite.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete    Startgelände      Aufgabe   I.D.

11 Jan 0413   Estrela do Sul    Zenit-3SL       Odyssey           Komm.      01A
29 Jan 1158   Progress M1-11    Sojus-U         Baikonur          Fracht     02A
 5 Feb 2346   AMC-10            Atlas IIAS      Canaveral SLC36A  Komm.      03A
14 Feb 1850   DSP 22            Titan 4B/IUS    Canaveral SLC40   Frühwarn.  04A
18 Feb 0705   Kosmos 2405       Molnija-M       Plessezk          Komm.      05A

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