Ausgabe 526

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 526                                             23. Mai 2004, Somerville, MA
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   Ein neuer Mesonaut
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Spaceship One von Scaled Composites erreichte am 13. Mai ein Apogäum von 64,4 
km. Das Trägerflugzeug White Knight hob am 13. Mai 1441 UTC vom Flughafen 
Mojave ab und klinkte Spaceship One um 1531 UTC in einer Höhe von 14,0 km 
aus. Nach 10 Sekunden freiem Fall zündete das Raketentriebwerk für 55 s. Der 
Antrieb wurde in einer Höhe von ungefähr 46 km und bei einer relativen 
Geschwindigkeit zur Erdoberfläche von etwa 0,8 km/s abgestellt. (Da mir weder 
Startazimut noch Position bekannt sind, kann ich die inertiale 
Geschwindigkeit nicht berechnen.) Pilot Mike Melvill flog antriebslos zum 
Apogäum und segelte dann zurück nach unten, um 20 m 44 s nach dem Start in 
Mojave zu landen. Die Mission 56L/14P von Spaceship One kam auf eine größere 
Höhe als alle anderen bemannten Flüge, mit Ausnahme von 36 Einsätzen des 
Raketenflugzeuges X-15 und aller konventionellen Weltraummissionen. Der in 
Südafrika geborene Melvill gehört somit dem exklusiven Kreis von "Mesonauten" 
an, die über die Stratopause hinaus in die Mesosphäre geflogen sind (zwischen 
50 und 80 km). Bis dato ist Milt Thompson der einzige Mesonaut, der nie 
Astronaut wurde (und über die Mesopause in 80 km hinaus in die Exosphäre 
flog; Stammleser wissen, dass ich die Grenze zum Weltraum bei 80 km ansetze).

Insgesamt 15 Menschen machten suborbitale Flüge in die Mesosphäre und 
Exosphäre. Hier ist eine Liste mit Datum und Höhe ihres jeweils höchsten 
suborbitalen Fluges. Armstrong, Engle, Shepard, Grissom, Lasarew und Makarow 
unternahmen außerdem Flüge auf Umlaufbahnen mit größeren Höhen. Wostok-5 war 
vermutlich der orbitale Raumflug mit dem niedrigsten Apogäum von circa 209 
km.

Tabelle der Mesonauten: (Suborbitale Flüge über 50 km)

Neil Armstrong   (geb. 1930)   X-15 3-4-8          20. Apr. 1962   63,3  
Mike Melvill     (geb.1942?)   SS-1 56L/14P        13. Mai  2004   64,4
Milt Thompson    (1926-1993)   X-15 1-57-96        25. Aug. 1965   65,3
Mike Adams       (1930-1967)   X-15 3-65-97        15. Nov. 1967   81,1
Pete Knight      (1929-2004)   X-15 3-64-95        17. Okt. 1967   85,5
Joe Engle        (geb. 1932)   X-15 3-44-67        29. Juni 1965   85,5
Bob Rushworth    (1924-1993)   X-15 3-20-31        27. Juni 1963   86,9
John McKay       (1922-1975)   X-15 3-49-73        28. Sep. 1965   90,1
Bill Dana        (geb. 1930)   X-15 3-56-83         1. Nov. 1966   93,5
Robert White     (geb. 1924)   X-15 3-7-14         17. Juli 1962   95,9
Joe Walker       (1921-1966)   X-15 3-22-36        22. Aug. 1963  108,0
Alan Shepard     (1923-1998)   Merkur MR-3          5. Mai  1961  187,5
Gus Grissom      (1926-1967)   Merkur MR-4         21. Juli 1961  190,0
Wassili Lasarew  (1928-1991)   Sojus 7K-T Nr. 39    5. Apr. 1975  192,0
Oleg Makarow     (1933-2003)   Sojus 7K-T Nr. 39    5. Apr. 1975  192,0

  ROCSAT-2
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Orbital Sciences setzte am 20. Mai beim siebten Start einer Taurus erstmals 
ihr Baumuster Taurus XL ein und brachte dabei den Fernerkundungssatelliten 
ROCSAT-2 für die taiwanesische Raumfahrtagentur in die Umlaufbahn. Der 
Satellit wurde von Astrium (Toulouse) gebaut und basiert auf dem 
Satellitenbus Leostar 500XO. Er besitzt ein Teleskop mit 0,60 m 
Spiegeldurchmesser, eine Schwarzweißkamera mit 2 m Auflösungsvermögen und 
eine Farbkamera mit 8 m Auflösung sowie einen Detektor zum Studium von 
Blitzen ("Sprites"). Das Baumuster Taurus 3210 hat eine Erststufe des Typs 
Castor 120 mit Festtreibstoff und darauf aufgesetzt sind die drei Stufen der 
Pegasus XL - Orion 50SXL, Orion 50XL und Orion 38. Die Orion-50XL-Stufe 
brannte vier Minuten nach dem Start auf einer suborbitalen Flugbahn von -2836 
x 714 km x 99° aus. Die Endstufe samt Nutzlast stieg antriebslos weiter bis 
zum Apogäum auf und etwa 11 Minuten nach Start zündete der Feststoffmotor 
Orion-38 und setzte ROCSAT-2 auf einer Bahn von 720 x 742 km x 99,1° ab. Der 
Satellit wird mithilfe seines Bordantriebs (mit ungefähr 50 kg Hydrazin) 
seine endgültige Bahn in 890 km Höhe ansteuern. 

  Superbird-6
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Einem Bericht von Space News zufolge wurde der Fernmeldesatellit Superbird 6 
bei einem zu niedrigen ersten Perigäumsdurchgang beschädigt. Der Satellit 
wurde auf einen Orbit mit einem Perigäum von etwa 200 km gestartet, aber vom 
Mond verursachte Bahnstörungen - die angeblich nicht berücksichtigt worden 
waren - senkten das Perigäum während des ersten Umlaufs auf ungefähr 100 km 
ab. Mit einer Triebwerkszündung wurde das Perigäum auf über 1000 km 
angehoben. Spätere Manöver brachten den Satelliten bis zum 10. Mai auf eine 
beinahe geosynchrone Driftbahn von 35834 x 35964 km x 0,1° über dem Pazifik 
bei 157° Ost. Es wurden keine Bahndaten der Centaur-Stufe herausgegeben, aber 
Space Command vermutet, dass der Wiedereintritt beim zweiten 
Perigäumsdurchgang am 19. April erfolgte.

  AMC-11
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Mit dem Flug Atlas Centaur AC-166 donnerte am 19. Mai eine weitere Atlas des 
Baumusters IIAS mit vier Feststoff-Starthilfsraketen und dem 
Fernmeldesatelliten AMC-11 (Americom 11) von SES Americom auf eine 
geostationäre Transferbahn von 186 x 35926 km x 12,4°. AMC 11 ist eine 
Einheit des Models Lockheed Martin A2100 und soll Satcom C-3 ersetzen.

 Mars Express
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Mars Express senkte die Apoapsis seiner Marsumlaufbahn am 6. Mai und änderte 
die Bahn von ungefähr 266 x 11580 km x 86,6° auf etwa 266 x 10046 km x 86,6°.

 Hayabusa
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Die japanische Raumsonde Hayabusa machte am 19. Mai einen Vorbeiflug an der 
Erde, wobei die größte Annäherung von 3725 km um 0623 UTC erfolgte. Sie soll 
den Asteroiden (25143) Itokawa 2005 erreichen.

 Kosmos 2406
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Die beim Start von Globus (Kosmos 2406) eingesetzte Stufe Blok DM-2 wurde auf 
einer Bahn mit einer Periode von 1438 Minuten aufgespürt, auf der sie knapp 
über dem geostationären Ring entlangdriftet. Falls diese Identifikation 
stimmt, dann müssen die von Space Command zuvor veröffentlichten 
Bahnparameter, die Kosmos 2406 auf einer anfänglichen Bahn mit 1330 Minuten 
Periode platzierten, falsch gewesen sein.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete    Startgelände      Aufgabe   I.D.

16 Apr 0045   Superbird 6       Atlas IIAS      Canaveral SLC36A  Komm.      11A
18 Apr 1559   Shiyan 1 )        CZ-2C           Xichang           Erdbeob.   12A  
              Naxing 1 )                                          Tech.      12
19 Apr 0319   Sojus TMA-4       Sojus-FG        Baikonur LC1      Raumschiff 13A
20 Apr 1657   Gravity Probe B   Delta 7920      Vandenberg SLC2W  Forschung  14A
26 Apr 2037   Express AM-11     Proton-K/DM-01  Baikonur LC200/39 Komm.      15A
 4 Mai 1242   DirecTV-7S        Zenit-3SL       Odyssey, Pazifik  Komm.      16A 
19 Mai 2222   AMC-11            Atlas IIAS      Canaveral SLC36B  Komm.      17A
20 Mai 1747   ROCSAT-2          Taurus          Vandenberg 576-E  Erdbeob.   18A

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