Ausgabe 543

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 543                                          24. Januar 2005, Somerville, MA
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Grüße aus dem verschneiten Nordosten ...

Huygens auf Titan
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Die Raumsonde Huygens der Europäischen Weltraumagentur landete am 14. Januar 
auf Titan. Das Raumfahrzeug erreichte um 0905:56 UTC den Einstiegspunkt des 
Landemanövers in 1270 km Höhe über der Oberfläche und trat von seinem 
Hitzeschild geschützt in die Atmosphäre ein. Vom Standpunkt des Zieles aus 
betrachtet trat Huygens auf einer Hyperbelbahn mit einer Periapsis von 1100 
km unterhalb der Oberfläche Titans ein. Um 0910:24 UTC war die Eintauchphase 
beendet und in ungefähr 160 km Höhe wurde der Hilfsfallschirm geöffnet. Zwei 
Sekunden später folgte die Heckluke und der Hauptschirm mit 8,3 Meter 
Durchmesser entfaltete sich. Gegen 0910:47 UTC wurde das Hitzeschild 
abgeworfen und der anfängliche Abstieg am Schirm dauerte bis 0925:21 UTC, als 
der Hauptfallschirm abgetrennt wurde und ein kleinerer Stabilisierungsschirm 
mit 3,0 Meter Durchmesser übernahm. Die Kamera DISR machte während des nun 
folgenden langsameren 2-stündigen Sinkfluges zur Oberfläche bemerkenswerte 
Aufnahmen einer scheinbaren Küstenlinie. Die Raumsonde wies Wassereis, 
Gestein und gelegentlichen Regen aus flüssigem Methan nach, wobei sich die 
ansonsten trockenen Flusskanäle vorübergehend in schlammige Auslaufbecken 
entleeren. Das Aufsetzen auf der Titanoberfläche erfolgte um 1138:11 UTC bei 
einer Breite von 11° S und einer Länge von 192° W. Huygens sendete noch bis 
mindestens 1448 UTC, als das Raumfahrzeug vom Radioteleskop Parkes aus 
gesehen unterging, wo die letzten Datenbits mit einer Verzögerung von 67 
Minuten empfangen wurden.

Titan (Saturn VI) ist eine der größten Welten im Sonnensystem. Anstatt 
zwischen "Monden" und "Planeten" zu unterscheiden und darauf zu achten, 
welcher Himmelskörper zufällig umkreist wird, ist es interessanter, die 
physikalische Beschaffenheit der betreffenden Welt zu betrachten. Nach den 
Gasriesen kommen feste, gesteinshaltige Himmelskörper wie die Erde und die 
größeren erdähnlichen Planeten mit Dichten von 3 bis 5 Gramm pro 
Kubikzentimeter. Diese unterscheiden sich von Ganymed, Titan, Kallisto, 
Triton und den anderen Himmelskörpern des äußeren Sonnensystems, die Dichten 
von 2 Gramm pro Kubikzentimeter oder weniger haben und als eisige Welten 
gelten.

  Die größten bekannten Himmelskörper im Sonnensystem (Radius > 750 km)
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           Äq.-Radius
Gasriesen:
  Jupiter  71492 km
  Saturn   60268 km
  Uranus   25559 km
  Neptun   24764 km

Felsige und eisige Welten:
  Erde      6378 km
  Venus     6052 km
  Mars      3397 km
  Ganymed   2634 km  (Jupiter III)
  Titan     2575 km  (Saturn VI)
  Merkur    2440 km
  Kallisto  2403 km  (Jupiter IV)
  Io        1830 km  (Jupiter I)
  Luna      1738 km  (Erde I)
  Europa    1565 km  (Jupiter II)
  Triton    1353 km  (Neptun I)
  Pluto     1151 km  
  Titania    789 km  (Uranus III)
  Rhea       764 km  (Saturn V)
  Oberon     761 km  (Uranus IV)
  Sedna      750 km? (90377)

Deep Impact
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Die Raumsonde Deep Impact wurde am 12. Januar 1847 UTC von Cape Canaveral 
gestartet. Die Trägerrakete vom Typ Boeing-Delta 7925 erreichte um 1856 UTC 
eine Parkbahn von 167 x 167 km x 29,7°, zündete um 1911 UTC erneut und 
gelangte auf einen Erdorbit von 163 x 4170 km. Die Drittstufe zündete um 1914 
UTC und nach deren Abtrennung um 1921 UTC befanden sich vier Objekte auf 
einer Fluchtbahn von der Erde: die Drittstufe PAM-D, zwei Entdrallgewichte 
und die Raumsonde Deep Impact. Bis zum 19. Januar entfernte sich die 
Raumsonde auf 1,9 Millionen Kilometer von Erde und befand sich auf Kurs zu 
einer heliozentrischen Umlaufbahn von 0,981 x 1,628 AU mit 0,6° Neigung zur 
Ekliptik. Am 3. Juli 2005 wird das Mutterfahrzeug mit 601 kg Masse den 372-
kg-Aufschlagkörper absetzen und am 4. Juli wird der Impaktor den Kometen 
9P/Tempel-1 mit einer relativen Geschwindigkeit von 10,2 km/s treffen. Das 
Experiment wird in einer Entfernung von 7,5 Lichtminuten von der Erde 
durchgeführt werden und einen Krater sowie eine Wolke aus Auswurfmaterial 
erzeugen, sodass dem vorbeifliegenden Mutterschiff und von der Erde aus 
Beobachtungen ermöglicht werden, die unser Verständnis über Aufbau und 
Zusammensetzung von Kometenkernen erweitern werden.

Deep Impact ist die Mission Discovery-8. Das Discovery-Programm begann in den 
frühen neunziger Jahren als das planetarische Gegenstück zu den Explorer-
Missionen. Eine Mission (CONTOUR) schlug kurz nach dem Start fehl und eine 
weitere (Genesis) machte eine harte Landung, wobei trotzdem noch auswertbare 
Resultate möglich sind. NEAR, Mars Pathfinder und Lunar Prospector waren sehr 
erfolgreich und die restlichen Missionen sind noch im Gange.

Mission      Start         Name             Mission          Status

Discovery-1  17. Feb 1996  NEAR Shoemaker   Eros-Orbiter     Eros-Landung 2001
Discovery-2   4. Dez 1996  Mars Pathfinder  Mars-Landung     Mars-Landung 1997
Discovery-3   7. Jan 1998  Mond Prospector  Mond-Orbiter     Mondaufschlag 1999
Discovery-4   7. Feb 1999  Stardust         Kometen-Flyby    2006 Landung Utah
Discovery-5   8. Aug 2001  Genesis          L1-Mission       2004 in Utah abges.
Discovery-6   3. Jul 2002  Contour          (Kometen-Flyby)  2002 zerstört
Discovery-7   3. Aug 2004  Messenger        Merkur-Orbiter   solarer Orbit
Discovery-8  12. Jan 2005  Deep Impact      Kometeneinschlag solarer Orbit
Discovery-9  -             Dawn             Asteroiden-Orbit in Bau
Discovery-10 -             Kepler           Planetenjäger    in Bau

Genesis
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Nachdem die Genesis-Rückkehrkapsel am 8. September vergangenen Jahres hart 
auf der Erde aufgeschlagen war, befand sich der Genesis-Satellitenbus auf 
einer weiten Erdumlaufbahn. Am 7. Oktober erreichte er ein Apogäum von 1,28 
Millionen Kilometer und senkte sich bis zum 6. November auf ein Perigäum von 
60670 km ab, wo seine Bahn so geändert wurde, dass er am 17. November das 
Erde-Mond-System verließ. Die Datenbank JPL Horizons gibt seinen derzeitigen 
Orbit um die Sonne mit 0,896 x 0,990 AU x 0,28° an.

SMART-1
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Die Mondsonde SMART-1 der ESA schwenkte am 15. November auf eine 
Mondumlaufbahn von 4962 x 51477 km x 81,1° ein. Sein Ionentriebwerk senkte 
zwischenzeitlich die Umlaufbahn auf 1014 x 5204 km x 87,9° ab.

Kosmos 2414
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Der Satellit Kosmos 2414 des russischen Verteidigungsministeriums wurde am 
20. Januar mit einer Kosmos-3M-Rakete von Plessezk gestartet. Der Satellit 
befindet sich auf einer Bahn von 912 x 966 km, was etwas niedriger ist als 
bei Parus-Navigationssatelliten üblich - die Differenz entspricht einem 
kleinen Geschwindigkeitsmanko von ungefähr 27 m/s. Der Satellit gelangte auf 
die gleiche Bahnebene wie der 1993 gestartete Kosmos 2239.

Der studentische 30-kg-Satellit "Uniwersitetski" wurde von Kosmos 2414 
abgesetzt und soll Strahlungsuntersuchungen dienen. Der Satellit wurde von 
Studenten an der MGU (Moskowski Gossudarstwenny Uniwersitet) zum 250. 
Jahrestag der Universität gebaut und trägt den Spitznamen "Tatjana", weil der 
Jahrestag der Universität mit dem Ehrentag der hl. Tatjana zusammenfällt 
(Dank an Tony Vitek für diese Information). Der MGU-Webseite zufolge war auch 
ein zweiter Mikrosatellit mit der Bezeichnung "Kompass-2/Tatjana" geplant.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete    Startgelände     Aufgabe     I.D.

17 Dez 1207   AMC 16            Atlas 521       Canaveral SLC41   Komm.      48A
18 Dez 1626   Helios 2A  )      Ariane 5G+      Kourou ELA3       Erdbeob.   49A
              Parasol    )                                       Fernerkund. 49G
              Nanosat    )                                        Tech.      49B
              Essaim 1   )                                        Funkaufkl. 49C
              Essaim 2   )                                        Funkaufkl. 49D
              Essaim 3   )                                        Funkaufkl. 49E
              Essaim 4   )                                        Funkaufkl. 49F
21 Dez 2150   Demosat    )      Delta 4H        Canaveral SLC37B  Test       50A
              3CS-1      )                                        Erdbeo.
              3CS-2      )                                        Erdbeo.
23 Dez 2219   Progress M-51     Sojus-U         Baikonur LC1      Fracht     51A
24 Dez 1120   Sitsch-1M     )   Zyklon -3       Plessezk LC32    Fernerkund. 52A
              MK-1TS Mikron )                                     Erdbeob.   52C
26 Dez 1353   Kosmos 2411 )     Proton-K/DM-2   Baikonur LC81/23  Navigation 53A
              Kosmos 2412 )                                       Navigation 53B
              Kosmos 2413 )                                       Navigation 53C
12 Jan 1847   Deep Impact       Delta 7925      Canaveral SLC17B Kometenson. 01A
20 Jan 0300   Kosmos 2414     ) Kosmos-3M       Plessezk PL132/1 Navigation  02A
              Uniwersitetski  )                                   Tech.      02C

.-------------------------------------------------------------------------.
|  Jonathan McDowell                 |  phone : (617) 495-7176            |
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