Ausgabe 547

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 547                                              8. Mai 2005, Somerville, MA
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Raumstation
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Die Raumkapsel Sojus TMA-6 wurde am 15. April 0046 UTC mit der Trägerrakete 
Sojus-FG Nr. 14 von Baikonur gestartet. Sie erreichte um 0055 UTC eine 
Umlaufbahn und koppelte am 17. April 0220 UTC an das Raumstationsmodul Pirs. 
Kommandant ist Sergej Krikaljow aus Russland. Bordingineur-2 ist John 
Phillips von der NASA. Zusammen bilden sie die Langzeitbesatzung 11 der 
Raumstation. Nach dem Andocken übernahm Krikaljow die Rolle des 
Raumstationskommandanten und Phillips die des Bordingenieurs und 
Wissenschaftsoffiziers. Sojus-Bordingineur-1 war Roberto Vittori der 
Europäischen Weltraumagentur, der die Mission ENEIDE mit der Kennung EP-8 
(Besuchsbesatzung 8) durchführt.

Festzuhalten ist, dass es Russland seit 2000 geschafft hat, mit großer 
Regelmäßigkeit zur Raumstation zu fliegen, wobei die Starts jeden April und 
Oktober erfolgten (der April-Start 2000 war der letzte Flug zur MIR, gefolgt 
vom ersten Sojus-Flug zur ISS im Oktober 2000).

(Anmerkung: Sojus TMA ist der Typ der Raumkapsel, die an die Raumstation 
koppelte. Ihre Masse beträgt rund 7 Tonnen. Sojus FG ist die Trägerrakete mit 
einer Masse von circa 300 Tonnen und mit ihr wurde Sojus TMA gestartet. AP 
meldete, "Eine russische Sojus-FG-Rakete mit zwei Astronauten und einem 
Kosmonauten erreichte Samstagabend die Internationale Raumstation." - ein 
verständlicher Schnitzer, denn dass Trägerrakete und Raumschiff ähnliche 
Namen haben, ist schon verwirrend.)

Sojus TMA-5 landete am 24. April 2207:27 UTC mit Scharipow, Chiao und 
Vittori, nachdem sie um 1845 UTC von Sarja abgelegt und um 2117 UTC die 
Bremsraketen gezündet hatten. Die Besatzung landete auf schlammigem Boden bei 
51° 03' N 67° 18' E in Kasachstan.

Die Stammbesatzung 11 mit Krikaljow und Phillips sollte ursprünglich die 
Mannschaft der Raumfährenmission STS-114 in nur wenigen Wochen empfangen, 
aber die Wiederaufnahme der Raumtransporterflüge verzögert sich bis 
mindestens Juli, während zusätzliche Enteisungsmaßnahmen am Außentank 
getroffen werden. Nach weiteren Tests auf der Startrampe wird der Shuttle 
zurück zum VAB gerollt und dessen Raketenkomponenten ET-120/RSRM-90 
abmontiert werden. Möglicherweise wird die Raumfähre danach mit den 
Komponenten ET-121/RSRM-91 verbunden werden, die ursprünglich für den Einsatz 
bei STS-121 eingeplant waren.

DART
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Die NASA-Mission DART (Demonstration autonomer Rendezvous-Technologie) begann 
am 15. April 1627 UTC mit dem Abheben von Orbitals L-1011 Stargazer in 
Vandenberg. Während der Passage des Abwurfgebietes 36° N 123° W klinkte das 
Flugzeug seine Fracht um 1726:50 aus und fünf Sekunden später begann der 
Aufstieg ins Weltall mit der Zündung der ersten Stufe der Pegasus XL. Um 1736 
UTC brannte der Feststoffmotor Orion-38 der dritten Stufe in etwa 500 km Höhe 
aus und gelangte in den Erdorbit. Das Raumfahrzeug DART ist um die 
hydrazinbetriebene Viertstufe HAPS der Pegasus herumgebaut, die um 1738 UTC 
zündete, um das Apogäum auf circa 760 km (die Bahnparameter beziehen sich auf 
Schätzungen vor dem Start) anzuheben. DART steuerte am 16. April um etwa 0400 
UTC autonom mittels Bordprogrammen und ohne Befehle vom Boden zu einem 
Rendezvous mit dem Satelliten MUBLCOM. Es war geplant, in wenigen Metern 
Abstand die Position zu halten, jedoch physischen Kontakt zu vermeiden. 
Anfängliche Berichte sprechen davon, dass sich DART bis auf 100 m annäherte, 
um dann festzustellen, dass unerwartet wenig Treibstoff verblieben war und 
sich deshalb wieder entfernte, um die Mission vorzeitig zu beenden. 
Beunruhigend ist, dass DART MUBLCOM scheinbar touchierte und dabei seine Bahn 
leicht veränderte. Es ist noch nicht geklärt, ob es zu einem physischen 
Kontakt kam, oder ob es sich um den Effekt des Düsenstrahls von DART handelt, 
der MUBLCOM traf. Bahnverfolgungsdaten verzeichneten MUBLCOM vor dem 
Rendezvous auf einer Umlaufbahn von 739 x 749 km und hinterher auf 741 x 750 
km. Jedenfalls sind dies schlechte Nachrichten, was die robotische 
Rendezvoustechnik betrifft, bei der das Vermeiden unerwünschter Kollisionen 
oberstes Ziel ist - das System hätte den Anflug abbrechen müssen, wenn die 
Gefahr bestand, mit dem Ziel zusammenzustoßen. Nach der Mission am 18. April 
zündete die HAPS-Stufe DARTs erneut, um seine Bahn auf 394 x 746 km zu 
senken.

Spaceway
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Boeing Sea Launch brachte am 26. April den Fernmeldesatelliten Spaceway in 
eine Umlaufbahn. DirecTVs Spaceway 1 hat eine Masse von 6080 kg und ist mit 
48 Hochfrequenz-Ka-Band-Transpondern zur Daten- und Fernsehübertragung 
ausgestattet. Der Satellit wurde auf eine leicht subsynchrone Transferbahn 
von 261 x 34097 km x 0,02° befördert. Bei Spaceway kam eine ungewöhnliche 
bahnmechanische Strategie zur Anwendung, bei der bis zum 6. Mai mit einer 
Mischung von Perigäums- und Apogäumsmanövern eine elliptische 17-Stunden-Bahn 
von 10507 x 45519 km x 0,13° erreicht wurde. Vermutlich wird sie nach 
Anhebung der Periode auf 24 Stunden zirkularisiert werden.

NRO-Satellit
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Ein geheimer NRO-Satellit wurde am 30. April mit einer Lockheed Titan IV B-30 
von Cape Canaveral gestartet. Analytiker mutmaßen, dass es sich um den 
Fünften von Lockheed Martin/Denver gebauten Radarüberwachungssatelliten der 
LACROSSE/ONYX-Serie handelt. Der Satellit wurde von Amateurbeobachtern von 
Toronto bis Moskau entdeckt und auf einer Umlaufbahn von 481 x 705 km x 57,0° 
gesichtet. Der Start konnte von vielen entlang der Ostküste der USA verfolgt 
werden. Der Satellit erreichte am 4. Mai in der Früh mithilfe seines 
Bordantriebs eine Kreisbahn von 712 x 718 km x 57,0°.

Die Titan-Hauptstufe fiel in sicherer Entfernung der Ölplattform Hibernia vor 
Neufundland in den Ozean. Die Nähe der geplanten Aufschlagzone hatte in 
Kanada eine Kontroverse über den Start ausgelöst. 

CARTOSAT
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Die indische Trägerrakete PSLV-C6 brachte am 5. Mai den Kartografiesatelliten 
Cartosat-1 auf eine Umlaufbahn. Der Satellit verfügt über Kameras mit 2,5 
Meter Auflösung. Mit dem Start wurde die zweite PSLV-Startplattform am 
Raumfahrtzentrum Satish Dhawan auf der Insel Sriharikota eingeweiht. Die 
Sekundärnutzlast HAMSAT oder VUSAT ist ein kleiner Amateursatellit von AMSAT-
VU, dem indischen Zweig der Amateursatellitenorganisation. Die Satelliten 
sind auf einer Umlaufbahn von 609 x 646 km x 97,9°. Die PS4-Endstufe befindet 
sich nach ihrem Entleerungsbrand zusammen mit zwei weiteren kleinen 
Bruchstücken auf einer Umlaufbahn von 607 x 717 km x 97,8°.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete    Startgelände     Aufgabe     I.D.

  
11 Apr 1335   XSS-11            Minotaur        Vandenberg SLC8  Tech.       11A
12 Apr 1200   Apstar 6          CZ-3B           Xichang          Komm.       12A
15 Apr 0046   Sojus TMA-6       Sojus-FG        Baikonur LC1     Raumschiff  13A
15 Apr 1726   DART              Pegasus XL/HAPS Vandenberg       Tech.       14A
26 Apr 0731   Spaceway 1        Zenit-3SL       Odyssey          Komm.       15A
30 Apr 0050   USA 182?          Titan 4B        Canaveral SLC40  Radar?      16A
 5 Mai 0445   Cartosat )        PSLV            SDLC SLP         Erdbeob.    17A
              HAMSAT   )                                         Komm.       17B

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