Ausgabe 559

Jonathan's Space Report                 Deutsche Übersetzung von Markus Dolensky
Nr. 559                                        29. Dezember 2005, Somerville, MA
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Nach einem Monat ohne Satellitenstart gab es am 21. Dezember drei Starts an 
einem einzigen Tag (sowie einen suborbitalen Raketenstart von einem russischen 
Unterseeboot). Bis zum 29. Dezember hatte Russland binnen acht Tagen acht Sa-
telliten gestartet. Es lief nach einem vertrauten russischen Muster ab: Auf eine 
Pause Ende November folgt Ende Dezember eine Fülle von Aktivitäten, bevor es in 
die Neujahrsfeiertage geht. 

Progress M-55
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Das automatische Frachtschiff Progress-M Nr. 355 wurde auf einer Sojus-U von 
Baikonur aus zur Mission Progress M-55, ISS-Flug 20P, gestartet. Das 7-Tonnen-
Gefährt koppelte am 23. Dezember um 1946 UTC an das Pirs-Modul der Raumstation. 
Das vorherige Versorgungsschiff Progress M-54 bleibt bis März am Swesda-Modul 
angekoppelt. Sojus TMA-7 liegt an Sarja an.

Gonez
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Einer der niedrig umlaufenden Fernmeldesatelliten der Baureihe Gonez-D1M ("Ku-
rier") wurde am 21. Dezember mit einer Rakete des Typs Kosmos-3M in einen Erdor-
bit von 1440 x 1450 km x 82,5° befördert. Gonez-D1M (oder Gonez-M) ist die zi-
vile Version der militärischen Konstellation der Strela-3-Satelliten, die auf 
niedrigen Bahnen Kommunikationsdienste leisten. Bei der Mission wurde auch der 
militärische Satellit Rodnik mit dem Tarnnamen Kosmos 2416 gestartet. Mir ist 
nichts über Rodnik bekannt - ich kann nur vermuten, dass es sich um eine Weiter-
entwicklung des Strela-3 handelt. Die Strela-3 wurden ursprünglich in Gruppen zu 
sechs mit der ausgemusterten Zyklon-Rakete gestartet. Seit 2002 werden sie paar-
weise mit der Kosmos-3M auf die gleiche Bahn gestartet. Daher würde es Sinn ma-
chen, wenn es sich hierbei um ein weiteres Paar des Typs Strela-3 mit verbesser-
ter Nutzlast handelte.

Ariane 5
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Arianespace setzte seine Erfolgsserie mit dem Start der Ariane 5GS/EPS Nr. 525 
fort. Sie brachte die Satelliten Insat-4A und MSG-2 in die Umlaufbahn. Die EPC-
Hauptstufe erreichte eine transatmosphärische Bahn von 44 x 1702 km x 6,5° und 
trat über dem Pazifik wieder ein. Die EPS-Stufe gelangte mit einem einzelnen 
Manöver auf eine Bahn von 620 x 35853 km x 3,9° und setzte die beiden Satelliten 
und den Sylda-Adapter aus.

Insat-4A ist der Erste einer neuen Serie indischer Fernmeldesatelliten. Der von 
ISAC/Bangalore gebaute Satellit hat eine Masse von 3081 kg (1385 kg leer) und 
ist mit Ku- und C-Band-Transpondern ausgestattet. Die Insat-4-Reihe ist etwas 
schwerer als die Vorgänger der Baureihen Insat 2 und 3, die sie ersetzen, aber 
sie stellen eher eine verbesserte Variante dar, denn einen neuen Satellitenbus. 
Insat 4A erreichte mit drei Bahnmanövern die geostationäre Höhe über dem Indi-
scher Ozean und fuhr am 26. Dezember 0430 UTC erfolgreich seine Solarpaneele 
aus.

MSG 2 (Meteosat der zweiten Generation) ist ein drallstabilisierter geostationä-
rer Wettersatellit, der die Serie der europäischen meteorologischen Organisation 
EUMETSAT fortsetzt. Nach Aufnahme des operationellen Betriebs wird er Meteosat 9 
genannt werden. Die Startmasse beträgt 2036 kg; die Leermasse liegt bei rund 
1000 kg. Nach Erreichen einer geostationären Driftbahn wurden am 29. Dezember 
bei 30,4 Grad Ost zwei Abdeckungen des SEVIRI-Teleskops abgestoßen (Wladimir 
Agapow zufolge um 0445 und 0500 UTC. Die beiden 1-Meter-Abdeckungen von 
MSG-1/Meteosat-8 wurden von Space Command nicht katalogisiert und so wird es 
vermutlich auch diesmal keine entsprechenden Einträge geben).

Glonass
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Am 25. Dezember startete eine russische Proton drei GLONASS-Navigationssatelli-
ten. Es handelte sich um einen Uragan, Seriennummer 798, und zwei verbesserte 
Uragan-M mit den Seriennummern 713 und 714. Sie erhielten Kosmos-Namen. In den 
letzten Jahren waren bei GLONASS-Starts jeweils zwei der alten Uragan und nur 
ein Uragan-M mit von der Partie. 

Der Webseite federalspace.ru zufolge war die Trägerrakete eine Proton mit der 
Seriennummer 410-12. Die Satelliten befinden sich in einem Erdorbit von 19110 x 
19130 km x 64,8°. Die dritte Stufe der Proton wurde auf einer niedrigen Parkbahn 
aufgespürt und die Viertstufe Blok-DM2 ist auf einer Bahn von 19072 x 19122 km x 
64,9°. Zwei kleine Triebwerke, die dafür sorgen, dass sich der Treibstoff vor 
der zweiten Zündung der DM2 am Boden des Tanks absetzt, befinden sich wahr-
scheinlich auf einer elliptischen Transferbahn, wurden jedoch noch nicht katalo-
gisiert.

Giove-A
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Am 28. Dezember beförderte eine Trägerrakete des Typs Sojus-FG/Fregat der Ver-
marktungsgesellschaft Starsem den von Surrey gebauten Satelliten GIOVE-A mit 
einer Masse von 602 kg auf eine Erdumlaufbahn. GIOVE-A (Galileo In-Orbit Valida-
tion Element) ist Europas erster Navigationstestsatellit und Vorläufer des 
Galileo-Systems, das das europäische Äquivalent zu GPS sein wird. GIOVE-A gehört 
der Europäischen Weltraumagentur und wurde auch von dieser entwickelt, das ope-
rationelle Galileo Satelliten-Navigationssystem GNSS selbst ist ein Projekt der 
Europäischen Union. GIOVE-A ist mit zwei Rubidium-Atomuhren und einer großen 
phasengesteuerten L-Band-Antenne ausgerüstet.

Die Sojus-FG gelangte auf eine leicht suborbitale Flugbahn und ihre obere Stufe 
fiel in den Pazifik. Das erste Bahnmanöver der Fregat führte auf eine Kreisbahn 
von circa 220 km mit vermutlich 52 Grad Neigung. Die zweite Zündung endete auf 
einer Transferbahn von etwa 220 x 23200 km. Mit dem dritten Manöver gelangte 
GIOVE-A auf eine anfängliche Bahn von 23011 x 23258 km x 56,05°. Die Fregat-Ma-
növer werden in der Pressebroschüre von Starsem leider nicht näher spezifiziert, 
sodass die hier aufgeführten Details nur Spekulation sind. Der veranschlagte 
kreisförmige Zielorbit von 23616 km ist mit dem Butan-Antriebssystem von GIOVE-A 
leicht zu erreichen.

Die drei modernen Satelliten-Navigationssysteme sind sich ziemlich ähnlich: Die 
GPS-Satelliten der Vereinigten Staaten sind auf einer Bahn von 20140 x 20220 km 
x 55,0°, das russische GLONASS-System ist auf 19120 x 19140 km x 64,8° statio-
niert und die geplanten Bahnparameter von GIOVE sind 23616 x 23616 km x 56,0°. 
Alle senden im L-Band (1,5 - 1,6 GHz). Zum Vergleich, die Navigationssysteme der 
ersten Generation benutzten Dopplersignale anstelle von Atomuhren. Die inzwi-
schen außer Dienst gestellten Transit-Satelliten der US-Marine wurden auf Um-
laufbahnen von 1000 x 1200 km x 90,0° betrieben und die russischen 
Zyklon/Parus/Zikada arbeiten weiterhin auf Bahnen von 970 x 1010 km x 83,0°. Sie 
alle benutzten viel niedrigere Frequenzen von etwa 0,15 MHz [sic!]. Höheren 
Bahnen erlauben es, mit weniger Satelliten auszukommen, bedürfen aber höherer 
Signalstärke.

AMC 23
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AMC-23 von SES Global wurde am 29. Dezember auf einer International Launch Ser-
vices/Chrunitschew Proton-M Nr. 535-13 mit einer Bris-M-Oberstufe (Nr. 88514) 
gestartet. AMC-23 basiert auf dem Satellitenbus Alcatel-Alenia/Cannes Spacebus 
4000C3 und hat eine Masse von 5035 kg. Ursprünglich wurde er unter dem Namen 
Americom 13 und später als Worldsat 3 gebaut. Nun soll er im pazifischen Raum 
Multimedia- und Telekommunikationsdienste im Ku-Band sowie C-Band erbringen. Die 
C-Band-Nutzlast wird teilweise vom japanischen JSAT-System genutzt werden. SES, 
mit Sitz in Luxemburg, kaufte 2001 das alte System von RCA (später GE) Americom. 
Die Bris-M beförderte den Satelliten auf eine Transferbahn von 6193 x 35615 km x 
18,5° und ließ seinen Zusatztank auf einer Bahn von 311 x 15526 km x 49,6° zu-
rück. Die Drittstufe der Proton blieb bei diesem Start auf einer suborbitalen 
Flugbahn. AMC-23 wird mithilfe seines Apogäumstriebwerks vom Typ Astrium S400 
auf eine geostationäre Umlaufbahn gelangen.


Tabelle kürzlich erfolgter Starts
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Datum  UT     Name              Trägerrakete    Startgelände     Aufgabe    I.D.

 8 Nov 1407   Inmarsat 4F-2     Zenit-3SL       Odyssey, POR     Komm.       44A
 9 Nov 0333   Venus Express     Sojus-Fregat    Baikonur LC31/6  Raumsonde   45A
16 Nov 2346   Spaceway 2 )      Ariane 5ECA     Kourou ELA3      Komm.       46A
              Telkom 2   )                                       Komm.       46B
21 Dez 1838   Progress M-55     Sojus-U         Baikonur LC1/5   Fracht      47A
21 Dez 1934   Gonez-D1M    )    Kosmos-3M       Plessezk LC132/1 Komm.       48A
              Kosmos 2416  )                                     Komm.       48B
21 Dez 2233   Insat 4A   )      Ariane 5GS      Kourou ELA3      Komm.       49A
              MSG 2      )                                       Wetter      49B
25 Dez 0507   Kosmos 2417 )     Proton-K/DM2    Baikonur LC81/23 Navigation  50A
              Kosmos 2418 )                                      Navigation  50B
              Kosmos 2419 )                                      Navigation  50C
28 Dez 0519   GIOVE A           Sojus-FG/Fregat Baikonur LC31/6  Navigation  51A
29 Dez 0228   AMC 23            Proton-M/Bris-M Baikonur LC200/39 Komm.      52A

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